Meinung : Oklahoma-Attentäter: Länger leiden

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Wenn es überhaupt so etwas gibt wie einen eindeutigen Kandidaten für die Vollstreckung der Todesstrafe, dann Timothy McVeigh. Weder gibt es Zweifel an seiner Schuld, noch ist er minder bemittelt oder gehört einer Minderheit an. Außerdem wurde er durch gute Anwälte vertreten. McVeigh hat sich selber gebrüstet, den Terroranschlag in Oklahoma City verübt zu haben, bei dem 168 Menschen starben - mehr, als die Amerikaner im gesamten Golfkrieg verloren haben. Für diese Tat mit dem eigenen Leben zu bezahlen: Das hat der Attentäter bewusst in Kauf genommen und akzeptiert. Und so wird es wohl auch geschehen, allerdings erst später. Der Grund für die überraschende Verschiebung ist eine Panne innerhalb des FBI. Wohl nicht aus Absicht, sondern aus purer Schlamperei waren einige tausend Seiten mit Zeugenaussagen übersehen worden. Die Angelegenheit ist dermaßen peinlich, dass auch US-Präsident George W. Bush nicht umhin kam, sich öffentlich für eine vollständige Aufklärung einzusetzen. Weitreichende Konsequenzen wird die Untersuchung allerdings kaum haben. FBI-Direktor Louis J. Freeh hat unabhängig von dem McVeigh-Fall bereits vor mehreren Wochen seinen Rücktritt angekündigt. Für die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer jedoch bedeutet die Verschiebung der Hinrichtung eine Verlängerung ihrer seelischen Qualen.

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