Opel : Gute Autos und gute Argumente

Die Deutschland-Reise von Sergio Marchionne hat ihr Ziel verfehlt. Der Fiat-Chef hat trotz seines freundlichen Werbens um Opel das Herz der Autonation nicht erobert. Die Sympathien der Bundesregierung, des GM-Managements und der Belegschaft scheinen Magna und den Russen zu gelten.

Henrik Mortsiefer

 Aber nicht nur die Sympathie entscheidet. Fiat hält nicht, was man sich bei Opel und in der Regierung versprochen hat. Zu vage fielen die Zusagen aus, was von Opel übrig bleiben soll. Stattdessen nahm Marchionne den deutschen Steuerzahler in die Pflicht: Bis zu sieben Milliarden Euro fordert Fiat angeblich an Bürgschaften, etwa doppelt so viel, wie Opel selbst beantragt hatte. Marchionnes Konzept des Dreierbündnisses von Fiat, Chrysler und Opel, das er als Hochzeit im Himmel feierte, bestach durch Größe, nicht aber durch industrielle Logik. Ähnliche Modelle (Opel und Fiat), verschiedene Kulturen (Chrysler und Fiat) und alte Feindschaften (GM und Fiat) – Argumente gegen das Konzept gab und gibt es genug.

Das, was Magna, der russische Autobauer Gaz und die Opel-Händler auf die Beine stellen wollen, klingt überzeugender. Wenn auch die Details unbekannt sind, ist die Perspektive klar: Magna will sich mit Opel (und mit GM als Großaktionär) unabhängiger von der Nachfrage in den USA und Europa machen und auf dem russischen Markt expandieren, der – so wird geschätzt – in drei Jahren größer sein wird als der deutsche. Dass Gaz finanziell klamm ist, dürfte nur vordergründig ein Grund zur Sorge sein. Denn hinter dem Autobauer steht der russische Staat, der endlich mit wettbewerbsfähigen Fahrzeugen den westlichen Importeuren Paroli bieten will.

So gäbe es einen Grund zur Erleichterung kurz vor dem Ende des Opel-Dramas. Doch über eines sollten sich die Wahlkämpfer und Betriebsräte keine Illusionen machen: Auch Magna wird Arbeitsplätze abbauen oder nach Osten verlagern. Denn an den Rahmenbedingungen hat sich nichts geändert: Es werden zu viele Autos gebaut. Opel braucht auch in Zukunft gute Argumente (und gute Autos), um sein Überleben zu rechtfertigen.

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