Meinung : Opfer rechter Gewalt: Von den USA lernen

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Nehmen wir mal an, jemand würde ihnen folgende Geschichte erzählen. Mitten in einem zivilisierten, vergleichsweise reichen Land jagt eine Meute von rechtsextremistischen Jungmännern einen Andersrassischen durch die Stadt. Der Gejagte stirbt bei der Flucht. Den Tätern wird in einem ziemlich langwierigen Verfahren der Prozess gemacht, man stellt einen Gedenkstein für das Opfer auf. Sieben Mal wird dieser Gedenkstein danach zerstört und geschändet - und zwar auch von denen, die sich seinerzeit an der Hetzjagd beteiligt hatten. Klingt unwahrscheinlich, oder? Irgendwie nach dem Süden der USA in den 50ern, nach dem ungebrochenen Rassismus dort, bevor die Bürgerrechtsbewegung entstand. Und nehmen wir mal weiter an, just an diesem Ort würde einer der Verurteilten sechs Wochen nach dem Prozess nachts nach einem rassistischen Messer-Überfall auf einen asiatisch-stämmigen Deutschen festgenommen. Klingt noch unwahrscheinlicher, oder? So ein bisschen nach Sebnitz, hemmungsloser Übertreibung und Gutmenschen-Hysterie. Aber so war es. Geschehen ist es in Guben. Nun zu den Details. Jener Täter war in dem Hetzjagd-Prozess nur zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden, und dass er es war, der vorgestern Nacht zustach, ist eher unwahrscheinlich. Doch klar ist, dass der Überfall rassistische Gründe hatte. So wirft diese Geschichte ein Schlaglicht darauf, was in den so genannten "national befreiten Zonen" möglich ist, und welche Kontinuität rechtsextremer Gewalt inzwischen existiert. Wer anders aussieht, muss dort mit dem Schlimmsten rechnen: immer und überall. Der militante Rassismus in den Südstaaten der USA wurde seinerzeit von der Bürgerrechtsbewegung und der Staatsgewalt niedergerungen. Und hier?

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