Meinung : Orange probieren

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Demokratie ist ansteckend. Könnte man denken, wenn man dieser Tage nach Weißrussland blickt, der letzten Diktatur in Europa. Seit Wochen finden sich in Minsk immer wieder Oppositionelle zusammen und demonstrieren. In Orange. Gegen Diktator Lukaschenko. Die erste Demo gab es kurz nach den ersten Kundgebungen im Nachbarland Ukraine im Dezember – friedlich und ohne Repressionen. Doch der moskautreue Diktator wird langsam nervös. Nun ließ er ein Dutzend Demonstranten festnehmen – wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“: Die jungen Leute hatten orangene Neujahrskostüme an. Die Demonstranten sind zwar wieder auf freiem Fuß. Ein ernstes Zeichen ist ihre Festnahme dennoch dafür, wie es in Weißrussland weitergehen wird. Kaum bemerkt von der europäischen Öffentlichkeit hat sich Alexander Lukaschenko im Oktober in einem 99,9 Prozent„Referendum“ eine dritte Amtszeit gesichert. Anders als in der Ukraine stehen die Massenmedien unter der Kontrolle der Regierung, kritische Stimmen werden zum Schweigen gebracht oder verschwinden ganz. Doch es gibt Hoffnung. Die Menschen fassen nach den Revolutionen in der Ukraine und in Georgien Mut und gehen auf die Straße. Sie sehen, dass der Glaube an die Demokratie und an eine gerechte Zukunft Berge versetzen kann. Wladimir Putin hat seinem Freund Gerhard Schröder versprochen, sich nicht mehr in die Belange der Ukraine einzumischen. Doch erst wenn er den Weißrussen die Freiheit lässt, ist auch Europa wirklich frei. SB

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