Organspenden : Im Schnellverfahren

Das Vertrauen ins deutsche Organspendensystem ist nach den Vorfällen von Göttingen und Regensburg eh schon im Keller. Nun stellt sich auch noch heraus, dass bei der Organvergabe immer öfter die strikte Wartelisten-Reihenfolge übergangen wird. In jedem dritten Fall gelangen Patienten bereits per Schnellverfahren an eine regional gerade verfügbare Ersatzleber, in jedem zweiten an eine Bauchspeicheldrüse. Geht es da, wo wir schon mal dabei sind, wieder nicht mit rechten Dingen zu, wird hier nicht womöglich in noch weit größerem Maßstab manipuliert und betrogen? Die Begründung für das Hoppla-hopp-Verfahren ist eine hehre: Die Organe sind nicht mehr die besten, sie stammen von kranken oder älteren Spendern, müssen in Windeseile transplantiert werden – aber sie können immer noch Leben retten. Eine gute Sache also. Wenn da bloß nicht diese Zweifel wären. Warum ist die Zahl der beschleunigten Vermittlungen so explodiert? Hat das wirklich nur demografische und medizinische Gründe? Besteht nicht zumindest die Versuchung, das dringend benötigte Organ schlechter zu machen, um es ohne Wartelisten-Umweg zu erhalten? Das Misstrauen ist da. Das Organvergabesystem muss auf den Prüfstand. Schnellstmöglich. raw

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