Ost-West-Geschäfte : Blutsbande, Blutsbrüder

Wenn es um Blut geht, hört das Verständnis auf. Mit dem Lebenssaft dunkle Geschäfte zu machen, ist besonders verwerflich. Zumal wenn es um das Blut von Häftlingen geht, denen es möglicherweise nicht ganz freiwillig entnommen wurde. Die DDR betrieb offensichtlich Handel auch mit dem Blut von Gefangenen, wie eine neue Studie aus der Stasiunterlagenbehörde nahelegt. Doch der Skandal fängt viel früher an. Dass ein diktatorisches Regime auch die eigene Großmutter verkaufen würde, um an Devisen heranzukommen, haben wir ja alle irgendwie gewusst. Und Häftlinge waren und sind in allen totalitären Staaten auch billige Arbeitskräfte. Aber dass sich für solche Geschäfte immer Partner auf der anderen, der westlichen, der demokratischen Seite fanden, verwundert schon. Dieses Kapitel kann noch längst nicht zu den (Stasi-)Akten gelegt werden, weil sich zu viele unangenehme Fragen stellen: Warum wollte niemand genau wissen, unter welchen Bedingungen die preiswerte Ware produziert wurde? Warum begnügte man sich mit Kontakten zu staatstreuen DDR-Außenhandelsmanagern? Das Geschäft jedenfalls rückte auf diese Weise, jenseits aller deutsch-deutschen Vertragsrealität, in die Nähe der Kumpanei. sc

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