Ostern : Das Unmögliche ist möglich

Konsumzwang, Arbeitslosigkeit, soziale Ausgrenzung - was können wir gegen die Missstände in unserer Gesellschaft tun? Die Ostergeschichte lehrt: Der Mensch hat die Freiheit, die Wirklichkeit zu gestalten. Er muss sie sich nur nehmen.

von
Darauf zu warten, dass sich schon alles irgendwie alleine zum Guten ändern wird, reicht nicht.
Darauf zu warten, dass sich schon alles irgendwie alleine zum Guten ändern wird, reicht nicht.Foto: dpa

Da wurde einer gefoltert und ans Kreuz genagelt, barbarisch und unbarmherzig. In der römischen Provinz Judäa war das nicht ungewöhnlich. So endeten viele, die als Aufwiegler galten. So endete Jesus. Doch dann passierte Ungeheuerliches: Als Frauen am Sonntag nach der Hinrichtung zu seinem Grab kamen, war es leer. So steht es in der Bibel. Die Frauen konnten es nicht fassen. War er tot und doch nicht tot? Sollte auf einmal nicht mehr gelten, was sie mit eigenen Augen gesehen hatten? Auch die Jünger konnten das nicht glauben.

In Deutschland muss heute niemand Angst haben vor Folter und Hinrichtung. Jeder kann seine Meinung sagen, jeder ist frei, sein Leben zu leben, wie er möchte, solange er sich an die Gesetze hält. Noch nie zuvor hatten Menschen so viele Freiheiten. Und doch gibt es Zwänge, die klein und unfrei machen. Da ist die Not, keine Arbeit zu finden, da sind die Kranken und Ausgegrenzten, diejenigen, die nicht mehr mithalten können. Viele Zwänge sind selbst gemacht. Zum Beispiel die Erwartung, immer noch mehr leisten zu müssen, noch besser, ehrgeiziger und schneller zu sein und den schwer errungenen Status durch teure Anschaffungen nach außen zu zeigen. Von Jahr zu Jahr werden auch die Ostergeschenke edler, in manchen Familien stehen sie den Präsenten unterm Weihnachtsbaum kaum noch nach.

Der Druck auf den Einzelnen hat zugenommen, überall verfügbar zu sein und sich jederzeit zur Verfügung zu stellen, jederzeit bereitwillig Informationen von sich preiszugeben – nicht nur in sozialen Netzwerken. Es häufen sich die Nachrichten von Unternehmen und ganzen Branchen, die mit dem Verkauf von Kundendaten viel Geld verdienen. Auch die Deutsche Bahn will künftig ins Geschäft einsteigen. Wer sammelt welche Informationen, teils hinter dem Rücken der Kunden? Wie gläsern ist der Mensch schon jetzt? Immer mehr Menschen bereitet diese Frage Unbehagen.

Die meisten belassen es dabei – und resignieren. Kann man nichts machen, die Welt ist halt so. Die Geschichte der Jünger von Emmaus zeigt, dass Menschen blind sein können für die Möglichkeiten, die sie haben, für die anderen Wirklichkeiten, die es auch noch gibt. Als der auferstandene Jesus den Jüngern am Ostermontag auf dem Weg nach Emmaus begegnet, erkennen sie ihn nicht, obwohl sie sich stundenlang mit ihm unterhalten. Sie sind so verstrickt in ihre Trauer und Sorgen, so verhaftet in dem Denken, wonach nicht ist, was nicht sein kann.

Dabei: Die Welt ist veränderbar. Keiner landet im Gefängnis, wenn er weniger kauft, Daten verweigert oder das System kreativ überlistet. Profile im Internet lassen sich verschleiern, Erwartungen unterlaufen. Die Ideologie des Immermehr ist kein Naturgesetz, sondern menschengemacht. Also lassen sich Alternativen finden, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht vorstellbar sein mögen oder unlogisch, sogar unvernünftig erscheinen. Die Kritik an einem Wirtschaftssystem, das auf Gier aufbaut, nimmt zu. Immer mehr Menschen fangen an, Verzicht einzuüben, sei es auch nur in den sechs Fastenwochen vor Ostern. Carsharing und Tauschbörsen boomen. Vor zehn Jahren konnten sich dafür als zauselig geltende Ökofreaks begeistern, heute ist es schick. Bis zu einem bescheideneren, gelasseneren Lebensstil ist es freilich noch ein weiter Weg. Echter Verzicht tut weh und ist politisch schwer durchsetzbar. Aber die Welt für wandelbar zu halten, heißt nicht, naiv zu sein.

Hätten sich Jesu Freunde in ihre scheinbar ausweglose Situation gefügt und es beim Klagen belassen, das Christentum wäre eine Sekte geblieben und längst vergessen. Sie haben darauf vertraut, dass das Unmögliche möglich ist. Das hat ihnen eine ungeheure, eine revolutionäre Kraft gegeben, allen Widerständen zu trotzen und ihren Weg zu gehen. Der Mensch hat die Freiheit, die Wirklichkeit zu gestalten. Er muss sie sich nur nehmen, selbstbewusst und furchtlos. Darauf zu warten, dass sich schon alles irgendwie alleine zum Guten ändern wird, reicht nicht. Das gilt auch heute.

15 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben