Osteuropa-Pipeline : In Öl

Schon einmal war das ukrainische Städtchen Brody Grenzort zwischen Westeuropa und Russland: Bis zum Ersten Weltkrieg verlief hier die Grenze zwischen Habsburger- und Zarenreich. Jetzt wird der durch Josephs Roths „Radetzkymarsch“ berühmt gewordene Ort Schauplatz eines der wichtigsten Energieprojekte Europas. Die neue osteuropäische Großpipeline, die bisher, vom Schwarzen Meer kommend, in Brody endete, soll nach dem Willen Litauens, Polens, Georgiens, Aserbaidschans und der Ukraine bis Danzig verlängert werden. Wenn die Pläne wahr werden sollten, hätten die osteuropäischen Länder international ein doppeltes Signal ausgesendet. Zum einen machen sie sich energiepolitisch deutlich weniger erpressbar vom derzeitigen Quasimonopolisten Russland. Zum anderen blamieren sie die Europäische Union. Die hat es nämlich noch immer nicht geschafft, eine eigenständige Energiepolitik auf den Weg zu bringen – stattdessen verheddern sich mehrere EU-Kommissare im Streit um Zuständigkeiten. Osteuropas Länder zeigen jetzt: Wenn Europa selbst nicht in der Lage ist, ein Infrastrukturprojekt mit Zukunft aufzulegen, dann machen das die Einzelstaaten eben selbst. Litauens Präsident Adamkus hat recht – das Abkommen ist ein historisches Ereignis, das die Einigkeit der gesamten Region zeigt.SB

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