OSZE-Chef Didier Burkhalter : Ein Schweizer soll Putin besänftigen

Vor allem die deutsche Regierung setzt große Hoffnungen auf Didier Burkhalter. Der OSZE-Chef soll am Mittwoch bei Wladimir Putin vermitteln. In seiner Schweizer Heimat wird er als "graue Maus" beschrieben.

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Didier Burkhalter, Schweizer Bundespräsident.
Didier Burkhalter, Schweizer Bundespräsident.Foto: AFP

Kürzlich war Didier Burkhalter in Kiew, da wurde er Zeuge eines diplomatischen Affronts. Die Regierung von Übergangspremier der Ukraine, Arseni Jazenjuk, hatte ihm zu Ehren Flaggen aufgestellt. Neben der ukrainischen war die dänische zu sehen. Burkhalter lächelte sanft.

Der Schweizer Bundespräsident, ganz Diplomat, ist viel unterwegs in Europa. Am heutigen Mittwoch wird er im Kreml bei Wladimir Putin erwartet. Ein freundlicher Gesichtsausdruck wird hier nicht reichen. Burkhalter ist nicht nur turnusmäßiges Staatsoberhaupt der Eidgenossenschaft. Im Hauptberuf bleibt er Außenminister, außerdem amtiert er bis zum Jahresende als Präsident der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Burkhalter soll Putin die Position von Merkel vermitteln

Vor allem die Deutschen setzen große Hoffnungen auf Burkhalter. Am Freitag war Außenminister Frank-Walter Steinmeier eigens nach Bern gereist. Jetzt soll der Schweizer dem russischen Präsidenten die Positionen Angela Merkels und Barack Obamas nahebringen. In Berlin wird es als Glücksfall betrachtet, dass die als ehrliche Makler gehandelten Eidgenossen die OSZE präsidieren. Im nächsten Jahr folgt Serbien.

Er sei „brav wie die Farbe seiner Krawatten“, heißt es über den 1960 geborenen Burkhalter in seinem Heimatland. In der Schweizer Konsensdemokratie muss das nicht bösartig gemeint sein. Er habe „eine Karriere im Schongang“ hinter sich, schrieb der Zürcher „Tages-Anzeiger“ in einer Mischung aus Anerkennung und Verzweiflung über Burkhalter, der Mitglied der Schweizer FDP ist.

Zuhören, ohne eine Miene zu verziehen

Jedenfalls hat ihn das Jahr 2014 bis jetzt auf eine harte Probe gestellt. Zuerst musste der als europhil geltende und aus dem westschweizerischen Neuenburg stammende Politiker das Volksvotum gegen die mit der EU vereinbarte Personenfreizügigkeit verteidigen. Jetzt soll ausgerechnet der von der „Zeit“ einmal als „graue Maus“ beschriebene Burkhalter in Moskau die Kohlen aus dem Feuer holen.

Wenn Putin also gewohnt breitbeinig im Kreml sitzen wird, um seine Haltung im Ukraine-Konflikt zu referieren, wird ihm ein Mann gegenübersitzen, der zuhören kann, ohne dabei eine Miene zu verziehen. Vielleicht irritiert das den russischen Präsidenten am meisten. Über brenzlige Situationen jedenfalls sagt Didier Burkhalter: „Ich überlege mir dann einfach, wieso der Angreifer das gesagt hat. Und weil ich dafür Zeit brauche, beruhigt mich das automatisch.“

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