Meinung : „O’zapfen ist …

Antje Sirleschtov

… das Einzige, was ein Oberbürgermeister in München wirklich können muss.“

So ganz ernst gemeint hat Christian Ude diesen Satz natürlich nicht. Schließlich ist der Münchner SPD-Politiker nunmehr seit 15 Jahren ununterbrochen Oberbürgermeister der bayerischen Landeshauptstadt. Und die Kommunalpolitik nimmt Ude so wichtig, dass er sich jetzt sogar zum Präsidenten des Deutschen Städtetages küren lassen will. Aber so ist Ude: Ernsthaftes Stadtoberhaupt mit deutlichem Hang, sich selbst nicht ganz so ernst zu nehmen. Ude, gelernter Journalist und studierter Jurist, war noch nie nur Verwaltungschef und Politiker, er gibt seinem ironischen Naturell immer Raum. „Chefsache“, „Stadtradeln“, „Meine verfrühten Memoiren“ und „Ich baue ein Stadion und andere Heldensagen“ sind allesamt satirische Belege in Buchform aus der Feder des Sozialdemokraten.

Wenn die Bundesversammlung des Deutschen Städtetages Ude am Donnerstag wie erwartet zum Nachfolger der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth wählen wird, steht dem Münchner eine arbeitsreiche Amtszeit bevor. Denn in kaum einer Zeit zuvor drängten sich die Probleme der deutschen Kommunen so auf wie jetzt. Während die kleinsten föderalen Einheiten des Landes finanziell und wirtschaftlich arg schlecht dastehen, wachsen ihre Aufgaben: Infrastruktursanierung, Familien- und Bildungsaufgaben, aber auch Arbeitsmarktaufgaben im Zuge der Hartz-Gesetze sind nur einige davon.

Das alles fordert neue Strukturen und vor allem auch neues Denken in den Kommunalverwaltungen. Auf Ude wird es wohl zukommen, diese neue Zeit für die kommunalen Selbstverwaltungen zu beschreiben und für die Städte gangbar zu machen. Viel schneller als er selbst das wohl erahnt hat, wird sich Ude zudem wohl ab Herbst mit einer Bundesregierung auseinander setzen müssen, die die finanziellen Grundlagen der Kommunen – die Gewerbesteuer – abschaffen will.

Als zahmes Kaninchen wird man Christian Ude dabei nicht kennen lernen. Der Sozialdemokrat focht in den letzten Jahren auch gegen seinen Parteifreund Gerhard Schröder im Bundeskanzleramt bereits heftige Kämpfe, wenn er die Zukunft der Städte in Gefahr sah. Weil ihm sachorientierte Politik näher liegt als Parteiräson. Und wenn dem 57-jährigen Ude die Politik dann mal doch wieder arg zu ernst wird, dann stellt er sich auch schon mal selbst auf die Kabarettbühne. Mit trockenem Humor und Schnauzbart.

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