Pakistan : „Für mich sieht das alles sehr verdächtig aus“

Auch für Hashmat Habib, Anwalt des geflohenen mutmaßlichen Terroristen Rashid Rauf aus pakistanischer Haft, wirft die Flucht seines Mandanten viele Fragen auf.

Ruth Ciesinger

Mit ihm selbst haben bis auf seine Mithäftlinge im vergangenen Jahr nicht viele Menschen gesprochen. Rashid Raufs Anwalt, Hashmat Habib, sagt dafür umso mehr. Er ist höchst irritiert über die plötzliche Flucht seines Mandanten aus pakistanischer Haft: „Für mich sieht das alles sehr verdächtig aus.“

Überhaupt wirft der Fall Rashid Rauf weitaus mehr Fragen auf als die, wie der 25-Jährige am Samstag auf dem Weg zu einem Gerichtstermin zwei Wachleuten so leicht entwischen konnte. Anfang August 2006 hatten pakistanische Behörden Rauf, der seit 2002 in einem Dorf in der Provinz Punjab lebte, unter großem Getöse festgenommen: Er sei der Chefplaner hinter den Anschlagsplänen von Islamisten gewesen, die Flüge von London aus in die USA über dem Atlantik in die Luft hatten sprengen wollen. Die „Schlüsselfigur“ habe zudem Kontakte zur Terrororganisation Al Qaida in Pakistan, hieß es.

Tatsächlich scheint Rauf, der den britischen und pakistanischen Pass besitzt, schon aus familiären Gründen enge Kontakte zur Dschihadisten-Gruppe „Jaish-e-Mohammed“ gehabt zu haben, seine Frau ist mit deren Gründer verwandt. Außerdem waren britische Behörden bei abgehörten Telefonaten auf ihn aufmerksam geworden. Als Rauf aber im vergangenen Dezember vor einem pakistanischen Gericht erschien, sprach ihn dieses von den Terrorvorwürfen frei, übrig blieb der Vorwurf des Besitzes von Material zum Bombenbau.

Die Briten wollten Rauf trotzdem dringend haben – und begründeten dies mit dem Mord an Raufs Onkel vor fünf Jahren in Birmingham, zu dem er befragt werden soll. Doch die pakistanischen Behörden lieferten Rauf nicht aus, was weitere Spekulationen nährte. Zuletzt war dann gemutmaßt worden, dass Rauf im Tausch für zwei in Großbritannien inhaftierte balutschische Terrorverdächtige von Pakistan an London übergeben werden könnte.

Doch jetzt ist er weg, und das dürfte nicht nur die Beziehung zwischen London und Islamabad stören. Auch Washington, das Pakistan und dessen Herrscher Pervez Musharraf als wichtigsten Verbündeten im Antiterrorkampf hegt und pflegt, wird wenig amüsiert sein über die Flucht eines möglichen Al-Qaida-Planers. Die US-Regierung ist schon längere Zeit unglücklich über mäßige Erfolge in Pakistans Antiterrorkampf. Sowohl die Taliban als auch Al Qaida haben zuletzt wieder an Stärke gewonnen – von pakistanischem Boden aus. Ruth Ciesinger

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