Pakistans Benazir Bhutto : Engel ohne Flügel

Sie hat Militärmachthaber Musharraf zum Rücktritt aufgefordert. Sie gilt als Verfechterin der "guten Seite". Doch auch Bhutto ist nicht frei von Fehlern.

Die Welt hat eine neue Hoffnungsträgerin: Benazir Bhutto, aus dem Exil heimgekehrte Oppositionsführerin in Pakistan. Sie will Recht und Ordnung in ihrem Heimatland wiederherstellen, wie sie sagt. Deshalb hat sie Militärmachthaber Pervez Musharraf zum Rücktritt aufgefordert. Die schöne, stolze Frau gegen den machtbesessenen General, das klingt fast wie ein Märchen. Und nicht nur die Medien lieben es, wenn sich die Welt in Gut und Böse einteilen lässt. Doch die Wirklichkeit ist meist komplexer. Vor wenigen Wochen noch war Benazir Bhutto bereit, sich die Macht mit Musharraf zu teilen – wovon sie nun nichts mehr wissen will. Die 54-Jährige hat sich schnell auf die neue Lage eingestellt, auch rhetorisch. Ihr neues Ziel: eine breite Allianz für die Demokratie. Das klingt gut. Doch es ist fraglich, ob Bhutto halten kann, was sie verspricht. Zweimal war sie bereits Premierministerin, noch immer stehen Korruptionsvorwürfe im Raum. Und als sie Regierungschefin war, eroberten die aus Pakistan stammenden Taliban das Nachbarland Afghanistan– mit Unterstützung des pakistanischen Militärgeheimdienstes. Bhutto konnte dies ebenso wenig verhindern, wie Musharraf die Rückzugsgebiete der Islamisten unter Kontrolle bringen konnte. Die Zukunft Pakistans hängt leider weiter vor allem vom Militär und seinem Geheimdienst ab. uls

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