Pannen bei der Bahn : Mehdorns Gesetz

Carsten Brönstrup

Wenn etwas schiefgehen kann, dann geht es auch schief. Das ist Murphys Gesetz – aber sollte man es nicht aus aktuellem Anlass in Mehdorns Gesetz umwidmen? Der Bahnchef ist vom Pech verfolgt wie kaum ein anderer Manager. Zuerst krachen die Börsen im Zuge der Finanzkrise durchs Parkett, und er muss die Privatisierung des letzten deutschen Staatskonzerns verschieben. Dabei hatte er während seiner gesamte Amtszeit allein auf diesen einen Tag hingearbeitet. Jetzt der Ärger über brüchige Achsen in Mehdorns wichtigstem Imageträger, dem ICE. Weil ihm keiner der Hersteller garantieren will, dass die Schnellzüge auf Dauer pannenfrei fahren, schiebt die Bahn ihre Neigetechnik-ICEs vorerst aufs Abstellgleis.

Das bedeutet für Mehdorn vor allem eines: ätzende Kommentare von Kunden und Politikern über einen Konzernchef, der seinen Laden nicht im Griff zu haben scheint. Damit geschieht ihm Unrecht – schließlich hat die Bahn die Züge nur gekauft, nicht gebaut. Der Fall wirft andere Fragen auf: Wieso können die Hersteller plötzlich nicht mehr für die Sicherheit eines Zuges garantieren, der seit 1999 Millionen Kilometer weitgehend pannenfrei abgespult hat? Basiert etwa die Konstruktion der gesamten ICE-Familie auf dem Prinzip, dass es hoffentlich schon gutgehen wird? Wieso gelingt es dem Bundesamt für Materialforschung nicht, sich Monate nach dem ICE-Achsbruch in Köln zur Ursache der Panne zu äußern?

Wenn in das System Eisenbahn – bei dem neben dem Dienstleister Deutsche Bahn noch andere Rädchen mitwirken – nicht schnell mehr Professionalität einzieht, wie soll es dann den wichtigen Aufgaben der Zukunft gerecht werden? Diese Frage müssen sich auch die Bahn-Gewerkschaften stellen. Sie liegen wie eh und je über Kreuz und laufen sich warm für eine Tarifrunde, die chaotisch zu werden droht wie die letzte. Aber es gilt ja Mehdorns Gesetz – wenn etwas schiefgehen kann, dann geht es auch schief.

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