Papst Benedikt in Großbritannien : Mut und Demut

Es gibt wohl keinen Menschen auf der Welt, der globaler und historischer denkt als der Papst. Bei seinem Besuch in Großbritannien zeigt Papst Benedikt, dass er aus der Defensive kommt, ohne die begangenen Missbrauchsverbrechen zu verharmlosen.

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Raum und Zeit haben bei ihm eine große und tiefe Dimension. Benedikt XVI. weiß: Von der weltweit steigenden Zahl der rund 1,2 Milliarden Katholiken lebt nur knapp ein Viertel in Europa. Hier sind die Themen Missbrauch, Zölibat, Homosexualität und Stellung der Frau beherrschend, die Gläubigen in Afrika, Asien und Lateinamerika treiben andere Sorgen um. Daher muss der Pontifex bestrebt sein, zwar mit den Missbrauchsfällen in radikaler Offenheit umzugehen, sein Wirken aber nicht auf sie zu reduzieren. Und genau das tut er jetzt auch. Bei seinem Besuch in Großbritannien zeigt Papst Benedikt, dass er wieder aus der Defensive kommt, ohne die begangenen Verbrechen zu verharmlosen. Den „aggressiveren Formen des Säkularismus“ sagt er den Kampf an und warnt, dass ein Ausschluss von Gott aus dem öffentlichen Leben zu einer „herabwürdigenden Sicht des Menschen“ führe. Radikale Atheisten, die insbesondere in Großbritannien recht stark vertreten sind, fühlen sich zu Recht provoziert. Sie haben die Botschaft verstanden. Mut und Demut gelangen beim Oberhaupt der katholischen Kirche wieder in eine neue Balance.

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