Papst in Israel : Er gab sein Bestes

Sieben Tage ist Benedikt XVI. durch das Heilige Land gepilgert. Der deutsche Papst schleppt selbstverschuldete Bürden mit sich herum, die ihm wie ein dunkler Schatten folgen. Und er hat mit einer Nahostsituation zu tun, die nicht mehr entwirrbar scheint. Doch gemessen daran hat er das Beste daraus gemacht.

Martin Gehlen

Wenige Weltregionen sind so unheilig wie das Heilige Land. Sieben Tage durch die Heimat Jesu zu pilgern, zählt daher zu den riskantesten Unterfangen, die sich ein Papst in seinem Pontifikat auferlegen kann. Benedikt XVI. hat die schwierige Reise angetreten und sie gemeistert, nicht so glänzend wie sein Vorgänger Johannes Paul II., aber am Ende doch souverän und ohne größere Patzer. Keine geringe Leistung in einer Landschaft, die durch einen sechzigjährigen erbitterten Konflikt religiös, ethnisch und politisch vermint ist. Zwar hat sich an der Grundkonstellation des Nahostkonflikts im letzten Jahrzehnt nicht viel geändert, seine Formen jedoch haben mörderische Dimensionen erreicht, die im Jubiläumsjahr 2000 noch unvorstellbar waren.

Gleichzeitig schleppt der Papst mit seiner Regensburger Rede und der Begnadigung des Holocaust-Leugners Richard Williamson selbst verschuldete Bürden mit sich herum, die seinen interreligiösen Begegnungen mit Muslimen und Juden wie ein dunkler Schatten folgen. Die beiden kurzen Moscheebesuche in Amman und Jerusalem können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die muslimisch- christlichen Gespräche auf der Stelle treten, beide Seiten oft aneinander vorbeireden und sich im Grunde nicht viel zu sagen haben.

Auch wenn die prompte jüdische Kritik an Benedikts Yad-Vaschem-Auftritt irgendwie geplant und organisiert wirkte, sie trifft einen wahren Kern. Denn seinerzeit führte Joseph Ratzinger die Kurienfraktion an, der die spektakuläre Vergebungsbitte 2000 von Papst Johannes Paul II. gegenüber den Juden viel zu weit ging. Und als Benedikt XVI. ermutigte der deutsche Ausnahmetheologe mit seiner eigenhändig formulierten Karfreitagsbitte für die tridentinische Messe implizit dazu, sich über Gefühle jüdischer Gläubiger hinwegzusetzen.

Diese Turbulenzen haben an seinen Kräften gezehrt. Immer wieder zeigten in den letzten Tagen die Kameras mit ihrer schonungslosen Nahsicht einen Pontifex, der Tücken und Belastungen seines Spitzenamts offenbar unterschätzt hat und dem es nicht gegeben ist, durch charismatische Auftritte verlorenen Boden wiedergutzumachen. Benedikt braucht lange, bis er mit Menschen warm wird. Bisweilen wirkt er irritierend abwesend, distanziert und entrückt. Die zahlreichen Versuche der Menschen, ihn durch Hochrufe für sich zu erwärmen, beantwortete er mit fahrigen Handbewegungen. Nur in kleinerem Rahmen wagte er sich ein wenig aus sich heraus, zeigte Anteilnahme und scheue Zuwendung.

So im Baby-Hospital von Bethlehem, wo er mit seiner Präsenz den Blick auf die unschuldigen Opfer dieses unseligen Kampfes lenkte. Im palästinensischen Flüchtlingslager Aida im Schatten der monströsen israelischen Grenzmauer hielt er eine Rede, die beispielsweise Tony Blair, der Sondergesandte des Nahostquartetts, in beiden Jahren seiner politischen Tätigkeit vor Ort nicht zustande gebracht hat. Und im Blick auf den Gazastreifen erinnerte er daran, dass die israelische Blockade für die 1,5 Millionen Bewohner trotz einhelliger internationaler Proteste unverändert fortbesteht.

Die Spielräume, in denen Benedikt XVI. im Heiligen Land agierte, waren enger als die seines Vorgängers Johannes Paul II. Der deutsche Papst hat spektakuläre Fehler gemacht, er ist ein ganz anderer Mensch und er hat mit einer Nahostsituation zu tun, die nicht mehr entwirrbar scheint. Gemessen daran hat er das Beste daraus gemacht.

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