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Papst-Rücktritt : Benedikt XVI. ist ein Leiser im Lauten

11.02.2013 15:58 Uhrvon
Papst Benedikt XVI. ist ein Leiser im Lauten.Bild vergrößern
Papst Benedikt XVI. ist ein Leiser im Lauten. - Foto: dpa

Der Intellekt war sein Zuhause. Seine Reden entfalteten einen spirituellen Kosmos. Sie waren nicht laut, aber wirkungsvoll, meint Malte Lehming. Und doch ist Papst Benedikt XVI. auch eine tragische Figur. Eine, die fehlen wird.

Ein Papst fällt aus der Zeit, und er bindet sich an keinen Raum. Doch zeitlos heißt nicht ewig und raumlos nicht ungebunden. Benedikt XVI. fühlte sich im Denken wohl, der Intellekt war sein Zuhause. Wenn er redete - meist leise, manchmal nuschelnd - entstand ein faszinierendes Gemälde vom spirituellen Kosmos der Dinge. Vielleicht zerbrach er letztlich auch an den Strukturen im Vatikan, war zu geistig für die irdischen Intrigen um Macht und Einfluss.

Das lässt ihn tragisch wirken. Ein Missverstandener, ein Solitär, ein Universalist, ein Meister des Wortes. 

Das begann mit seiner Herkunft. Ein Deutscher, der in der Hitlerjugend war und einen reaktionären Holocaustleugner rehabilitieren wollte. Ja, geht’s noch? Der Scheuklappenperspektive seiner vielen Kritiker indes setzte Papst Benedikt sich selbst entgegen – sein Zeugnis, seine Lehre. Zweifel etwa an der Lauterkeit seiner Einstellung zum Judentum, zum Antisemitismus oder zum Verbrechen der Schoah erwiesen sich nicht nur als unbegründet, sondern vor allem als lächerlich. 

Ebenso töricht war die Annahme, der deutsche Papst sei ein deutscher Papst. In dieser Reduktion auf seine geographische Heimat schwangen stets patriotische Überhöhung und globale Ignoranz mit. In ganz Europa lebt nur knapp ein Viertel der rund 1,2 Milliarden Katholiken. Weltweit wächst das Christentum nicht hier, sondern in Afrika und Asien. Dort aber treiben die Gläubigen oft andere Sorgen um als die Themen Missbrauch, Homosexualität, Frauenemanzipation. Der Pontifex ist das Oberhaupt aller Katholiken. Ihn eurozentristisch, gar teutonisch verstehen zu wollen, führt in die Irre.

Freilich fand Benedikt XVI. im Kampf gegen das schrumpfende christliche Leben in Europa eines seiner zentralen Anliegen. Beim Weltjugendtag in Madrid beklagte er die „Gottesfinsternis“, er wetterte gegen die „aggressiven Formen des Säkularismus“, warnte, dass eine Verdrängung Gottes aus dem öffentlichen Leben zu einer „herabwürdigenden Sicht des Menschen“ führe. An dieser Aufgabe allerdings, der Revitalisierung des Christentums in Europa, scheiterte der Papst. Religionsferne und religiöse Aversionen nehmen zu.

Das zeigt sich an Minarettbauverboten und Kopftuchzwistigkeiten ebenso wie an der Beschneidungskontroverse, die ausgerechnet in Deutschland tobte. Die Freiheit, „seinen Glauben ungehindert zu praktizieren“, wie sie in der Menschenrechtscharta postuliert wird, ist kein selbstverständlicher Wert mehr.

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