Papstbesuch : Wer daran glaubt

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Es fehlt die Fantasie, es fehlt die Klasse, es fehlt – ja, der Glaube. Gemeint ist der Glaube daran, dass in Berlin etwas Großes gelingen kann, wenn der Papst zu Besuch kommt. Der deutsche Papst, wohlgemerkt. Hier kann über das normale Maß hinaus – will sagen: über den bloßen Eintrag ins Geschichtsbuch hinaus, dass er da war – Geschichte geschrieben werden.

Benedikt XVI., wie Joseph Ratzinger sich in kluger Anspielung nennt, nimmt Europa in den Blick, den Kontinent, der immer säkularer wird, während in aller Welt die Zahl der Christen steigt. In China, überhaupt in Asien, in Afrika auch, wobei ein Blick dorthin lehrt, dass sich die Form des Glaubens verändert, dass sie ihre Strenge ein wenig verliert. Da gibt es lebendiges Christentum. Wer darauf schaut, wie außerhalb der mitunter auch spießbürgerlichen Gemeindekultur Europas der Glaube geradezu gefeiert wird, der bekommt eine Ahnung davon, was möglich wäre: ein Aufbruch.

Wo, wenn nicht in der sogenannten Hauptstadt der Säkularisierung, in der europäischen Metropole Berlin, wäre darum ein Zeichen der Zeit angebracht? Es müsste ein Zeichen sein, das dem Wirken Benedikts entspräche, eines großen Theologen, wie auch zugleich dem der evangelischen Kirche, die hier die Stärkere ist. Schon als junger Joseph Ratzinger disputierte der Papst doch gerne über die Ökumene.

Der Chef der katholischen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, kann jetzt Klasse beweisen, zumal Berlin immer noch auf auf seinen Bischof wartet. Zollitsch muss es gelingen, am besten gemeinsam mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider, in Berlin ein großes ökumenisches Fest des Glaubens zu veranstalten: eines mit allen christlichen Denominationen, das keine Messe ist, keine Eucharistiefeier, sondern ein Gottesdienst. Der dann im Beisein des Papstes stattfände, mit tausenden. Das Spektakuläre entfaltete seine Strahlkraft wie von allein. Von Berlin aus, für Europa, für die Welt.

Allein, es fehlt der Glaube daran.

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