Meinung : Paritätisch schwer verstimmt Die Rolle von Arbeitnehmern in Aufsichtsräten ist heikel

Ursula Weidenfeld

Es wiegt schwer, wenn Aktionäre auf der Hauptversammlung einem Aufsichtsrat die Entlastung verweigern. Und doch haben die Aktionäre als Eigentümer der Lufthansa genau das getan: Sie haben dem Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, ein Misstrauensvotum ausgestellt. Weil Bsirske Aufsichtsrat bei der Lufthansa ist – und gleichzeitig im vergangenen Jahr den Streik gegen das Unternehmen geführt hat, der einen millionenschweren Schaden anrichtete. Damit habe er in seiner Rolle als Gewerkschaftschef dem Unternehmen Schaden zugefügt, das er als Aufsichtsrat hätte schützen müssen, kritisieren die Aktionäre.

Zu Recht. Denn Bsirske hat seinen Rollenkonflikt ganz eindeutig zugunsten seines Berufs als Gewerkschaftschef gelöst. Damit offenbart er ein gravierendes Problem in der deutschen Mitbestimmung: Dieselben Arbeitnehmervertreter, die öffentlich zum Streik aufrufen oder die Höhe von Managergehältern kritisieren, heben in den Kontrollgremien brav die Hand, wenn die Vorstandsbezüge genehmigt werden. Dazu kommt, dass selbst in den weltweit operierenden Aktiengesellschaften meist nur deutsche Arbeitnehmervertreter im Kontrollgremium sitzen. Die aber sind kaum noch in der Lage, Standortüberlegungen objektiv mitzuentscheiden. Sie werden im Zweifel die Interessen der deutschen Beschäftigten ganz vorne sehen. Und die Kontrolleure von der Arbeitnehmerbank verstehen sich immer weniger als Aufsicht für den Vorstand, im Gegenteil. Immer öfter passiert es, dass sie sich am Ende – wie IG-Metall-Chef Klaus Zwickel bei Mannesmann – auf der Seite derjenigen Vorstände wiederfinden, denen sie doch eigentlich auf die Finger sehen sollen.

Das Nachsehen haben die Eigentümer der Firma. Denn sie bezahlen am Ende dafür, dass die Kontrolle durch die Aufsichtsräte nicht richtig funktioniert. Die wichtigen Punkte werden außerhalb besprochen und im Rat nur noch abgesegnet. Der Aufsichtsrat wird nicht vernünftig informiert und entdeckt deshalb Fehler und Versagen meist zu spät. In Holland haben sich Arbeitnehmer-Komitees außerhalb der Kontrollgremien bewährt und zu mächtigen Faktoren innerhalb der Unternehmen entwickelt. Auch, weil ihre Mitglieder nie in die Versuchung kommen, sich in falsche Kumpanei mit dem Kapital zu begeben. In Deutschland scheinen die Aktionäre endlich die Konsequenzen zu ziehen. Sie sind nicht mehr bereit, über alle Unvollkommenheiten der Unternehmenskontrolle hinwegzusehen.

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