Parteitag der Linken : Modell für Absurdistan

Die Linkspartei diskutierte ein Wochenende lang, wie viel Revolution es denn sein darf und entschied sich für ein Maßnahmenpaket, mit dem alle leben können. Die Genossen ahnen, dass ihr Chef Lafontaine in diesem Herbst leicht zum Verlierer werden kann. Der Hype des Neuen ist vorbei.

Matthias Meisner

Die wichtigste Botschaft der Linken steht nicht im Programm zur Bundestagswahl: Oskar Lafontaine bleibt Vorsitzender, vorerst jedenfalls. Selbstverständlich ist das nicht, denn eigentlich kann der gewichtige Saarländer – Eigenangabe: 96 Kilogramm – Niederlagen nicht leiden. Das Schönreden der Schlappe bei der Europawahl fiel ihm schwer, und es nervt ihn, dass Parteifreunde mit ihrer Kritik an zu viel Populismus dem politischen Gegner das Wort reden. Jetzt diskutierte die Partei ein Wochenende lang, wie viel Revolution es denn sein darf und entschied sich für ein Maßnahmenpaket, mit dem alle leben können. Der Hype des Neuen ist vorbei. Das spüren die Genossen, und es verunsichert sie zutiefst. Sie ahnen, dass Lafontaine in diesem Herbst leicht zum Verlierer werden kann. Erst verfehlt er sein tollkühnes Ziel, noch einmal Ministerpräsident im Saarland zu werden, danach droht ihm der Verlust einer Wette, weil die Linke bei der Bundestagswahl nicht zweistellig wird. Sollte das Stimmungstief der SPD anhalten, wird ein Linksbündnis nicht zum Modell für Deutschland 2013, sondern für Absurdistan. In dieser Situation hat die Linkspartei ihre Probleme vertagt. Im kommenden Jahr will sie entscheiden, ob Lafontaine der einzige Vorsitzende der Partei sein wird. Das wäre für die bisher nur murrenden Genossen die Gelegenheit zur Abrechnung. Aber soweit wird es nicht kommen. Über Lafontaine entscheidet nur Lafontaine selbst. So lange er im Amt ist, könnte sich die Linke ihre Parteitage eigentlich sparen. Mehr Demokratie wird dort jedenfalls nicht gewagt. m.m.

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