Meinung : Patient Pflege

„Patient Krankenhaus“ vom 26. März

Die Überschrift könnte bedenkenlos auf „Patient Pflege“ erweitert werden; denn im Bereich ambulanter Pflege hat der Pflegenotstand nicht minder Einzug gehalten. Dass Politiker behaupten, sie nähmen das Problem ernst, hören wir seit Jahren. Aber die Politik verzichtet auch seit Jahren auf eine wirksame Einflussnahme auf die Ursachen für die fortschreitende Personalknappheit in der Pflege. Im Gegenteil: Politfunktionäre wie Herr Staatssekretär Büge (Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales) beteiligen sich mit Aussagen wie „jeder dritte Pflegedienst betrügt“ munter an der Demontage eines ganzen Berufsstandes. Da kann es kaum erstaunen, dass immer weniger junge Menschen sich entschließen, ihr berufliches Heil in einer verrufenen Branche zu suchen.

Außerdem liegt es – wie meist – am Geld: Kranken- und Pflegekassen weigern sich konsequent, die Entgelte für Pflege der steigenden Nachfrage und den wachsenden Qualitätsanforderungen entsprechend zu erhöhen. Wenn wir folglich Pflegekräften zu wenig bezahlen, gibt es irgendwann keine mehr. Und das bei gleichzeitig astronomischen Überschüssen auf den Konten der Kassen. – Schon jetzt ist die Wahlfreiheit vom Patienten auf den Dienstleister übergegangen: Die Klinik entscheidet, welche Station geschlossen wird und welche offen bleibt.

In der ambulanten Pflege ist es nicht anders: Wirtschaftlich unattraktive Leistungen wie z. B. Haushaltshilfe für schwangere Mütter werden oft nur noch auf dem Papier angeboten. Oder sollen wir den Menschen, die diese Arbeit tun, etwa fünf Euro pro Stunde bezahlen?

Angesichts des Umstandes, dass diese Verhältnisse seit Jahren bekannt sind und nichts dagegen getan wird, müssen wir wohl von Gleichgültigkeit auf Seiten von Kassen und Politik ausgehen.

Hanfried Wiegel-Herlan, Geschäfts-

führer der Sozialstation Zehlendorf

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