Meinung : Patienten rechnen

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Sieht ganz so aus, als hätte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) mit ihrer Gesundheitsreform Erfolg: Nach deutlichen Überschüssen im ersten Halbjahr haben viele große Krankenkassen jetzt angekündigt, ihre Beiträge zu senken. Das liegt auch daran, dass viele Versicherte ihr Verhalten in den vergangenen Monaten geändert haben: Seit sie eine Praxisgebühr zahlen müssen, ist die Zahl der Arztbesuche zurückgegangen. Seit sie bei Medikamenten mehr zuzahlen, überlegen sie zweimal, ob sie die Arznei brauchen. Weil sie Angst haben, ihren Job zu verlieren, schleppen sie sich auch mit Grippe ins Büro, wo sie früher zu Hause geblieben wären. Das erspart den Kassen Kosten – und hat dazu geführt, dass sie im ersten Halbjahr hohe Überschüsse erwirtschaften konnten. Für Versicherte ist das eine gute Nachricht: Sie werden mit Beitragssenkungen belohnt. Auch Gesundheitsministerin Schmidt darf sich freuen. Sie ist ihrem Ziel, den durchschnittliche Beitragssatz bis zum Jahresende auf 13,6 Prozent zu senken, ein Stück näher gekommen. Für eine Entwarnung ist es trotzdem zu früh. Es gibt noch viele Risiken: So ist wieder völlig offen, ob der Zahnersatz – wie eigentlich geplant – ab 2005 aus dem Leistungskatalog der Kassen herausfällt. Diese Entlastung war für weitere Beitragssenkungen fest eingeplant. Außerdem sitzen die Kassen noch auf einem Schuldenberg von sechs Milliarden Euro. Den sollten sie erst abbauen, bevor sie die Beiträge senken. pet

Seiten 1 und 16

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