Meinung : PDS: Die Mauer ist schuld

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Wenn Hirnzellen unter intellektuellen Verrenkungen ebenso leiden würden wie Muskeln unter Überdehnung, müssten die PDS-Vorstandsmitglieder und der Berliner Spitzenkandidat Gregor Gysi jetzt ihre Köpfe zum Arzt bringen. Denn was die Partei sich zu den Toten an der Mauer hat einfallen lassen, um der SPD besser zu gefallen und zugleich die eigenen Basistruppen vom Sturm aufs Liebknecht-Haus abzuhalten, das ist selbst für geübte Dialektiker ein Kunststück: Der Bau der Mauer war ein Fehler, weil sie erstens antisozialistisch, zweitens antiemanzipatorisch und drittens antidemokratisch gewesen sei. Sagt Gysi. Der Bau der Mauer ist zu verurteilen. Sagt der Vorstand. Also hat nicht der Sozialismus schuld, sondern die Mauer selbst. Deren Opfer sind zu bedauern, meinen Gysi und der Vorstand, entschuldigen möchte sich die SED-Nachfolgepartei aber nicht, weil der Mauerbau erstens gar nicht entschuldbar ist, und zweitens eine Entschuldigung etwas persönliches sein muss, die PDS aber als Kollektiv gilt und im Vorstand niemand sitzt, der damals gemauert oder befohlen oder geschossen hat. Der Westen kommt bei Gysi übrigens auch ganz billig davon: Dem damaligen Feind sei "allenfalls vorzuwerfen, dass er sich vor dem Mauerbau geweigert hat, die DDR zur Kenntnis zu nehmen und mit ihr zu verhandeln, um zur Verhinderung einer Mauer beizutragen". Na, vielen Dank - dann können wir die Angelegenheit ja gegenseitig vergessen. Im Westen hat heute auch niemand mehr nicht mit der damals unvorhandenen DDR verhandelt.

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