Meinung : PDS: Mauer im Kopf

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Vor zwei Wochen war Peter Porsch bundesweit ziemlich unbekannt. Das änderte sich blitzschnell - mit einem Satz. Die Mauer, schrieb Porsch, habe "1961 den Frieden in Europa und in der Welt erhalten." Der Satz wurde eins zu eins als Rechtfertigung der Mauer gelesen. Und das, während sich Genosse Gysi in den Talkshows mühte, eine historisch klug gewordene PDS zu präsentieren. Dieses Timing ungeschickt zu nennen, ist krass untertrieben. Dass Porsch in dem Text gegen die Mauer votiert, dass Rudolf Augstein im "Spiegel" Ähnliches schreibt, ging in der Aufregung unter. Die PDS steht unter dem Generalverdacht, Vergangenheitsbewältigung nur aus Gründen der Opportunität zu betreiben. Die "Affäre Porsch" erinnert an einen großen geschichtspolitischen "Skandal": Jenningers Rede am 9. November 1988. Der CDU-Politiker spielte damals mit Ambivalenzen, traf auf eine erregungsbereite Öffentlichkeit und - musste zurücktreten. Ignatz Bubis hat Jenningers Text später vorgetragen, unter beifälligem Nicken des Publikums. So ist das in der Erinnerungspolitik: Es geht nicht nur um den Inhalt, sondern auch darum, wer spricht. Das weiß Porsch nun auch. Gestern ist er von einem seiner drei Ämter in der PDS zurückgetreten.

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