Peter Mandelson : "Großbritannien soll nicht wieder elitär werden"

Der Prinz der Dunkelheit ist wieder da: Doch eine Niederlage der Labour-Partei wird er kaum verhindern können. Ein Porträt.

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Foto: dpadpa

Während der britische Premier sich angesichts der Umfragen die Nägel bis auf das Fleisch abbeißt, greifen Lord Mandelsons elegante Finger nach dem zweiten Sandwich. Die Aussicht, in wenigen Monaten seinen Ministerjob zu verlieren, lässt ihn offenbar kalt. „Ich könnte einfach im Wirtschaftsministerium sitzen bleiben und sagen, dass ich noch nicht alles erledigt habe.“

Ohne ihn hätte es weder Tony Blair noch „New Labour“ gegeben, ohne ihn wäre Gordon Brown nicht mehr im Amt – die Labour-Fraktion hätte den eigenen ungeliebten Premier längst gestürzt. Der Dank für diese strategische Leistung ist sein Spitzname, „Fürst der Finsternis“, und die Tatsache, dass er noch immer im politischen Geschäft ist. Zweimal musste er als Minister unter Blair wegen irgendwelcher Skandale zurücktreten, und er ist doch wieder da, mächtiger denn je.

Am Morgen hat der 57-Jährige Rainer Brüderle getroffenen, sich dann durch das Berliner Heinrich- Hertz-Institut führen lassen. Großbritannien brauche ein „neues Wirtschaftsmodell“, sagt er bei einem Gespräch in der britischen Botschaft, und klingt wie damals, als Labour plötzlich neu war. Auch Sätze wie „Der Staat soll nicht alles machen“ waren damals von ihm zu hören. Vermutlich haben ihn die vier Jahre, die er in Brüssel als Handelskommissar gewirkt hat, noch marktwirtschaftlicher gemacht. „Wir laufen Gefahr, das 21. Jahrhundert zu verpassen“, sagt er, und meint damit nicht nur die Briten.

Andere hätte die Partei vermutlich für solche Sätze in die Wüste gejagt, doch Mandelson ist alter Labour-Adel: Sein Großvater war Herbert Morrison, einst Minister, und Mandelson nahm 1978 als britischer Delegierter am Weltjugendfestival in Havanna teil. 1985 wurde er Wahlkampfleiter der Partei, ab 1990 Abgeordneter. Mandelson, der in Oxford studiert hat und inzwischen zum Baron geadelt wurde, verfolgt weiterhin den dritten Weg: wirtschaftspolitisch rechts, gesellschaftspolitisch links. „Wir wollen nicht, dass Großbritannien so elitär wird wie es unter den Konservativen war; und auch nicht, dass es so statisch wird, wie es unter den zurückliegenden Labour-Regierungen war.“

1994 schlug sich Peter Mandelson auf die Seite von Tony Blair, als es um die Nachfolge an der Parteispitze ging, aus gutem Grund: Gordon Brown sei den Wählern nicht gut vermittelbar. Möglicherweise ist Mandelson heute so gelassen, weil er weiß, dass sein Projekt ans Ende kommt.

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