Peter Ramsauer : In jedem Gasthof eine Braut

Peter Ramsauer von der CSU macht Politik. Indem er Kellnerinnen in bayerischen Dörfern umgarnt. Unser Kolumnist Helmut Schümann wundert sich wie einfach Politik ist.

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Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Es ist immer von Vorteil, sich mit den Herrschern über die Produktionsmittel gut zu stellen. Auch im erweiterten Sinne von Produktionsmitteln. So kann es beim Nachschlag in der Kantine durchaus nützlich sein, wenn man mit der Kantinenwirtin einen netten Umgang pflegt. Gerade beim Essen und Trinken ist es sicherlich nicht schlecht, wenn man dem dicken Wirt hinter der Theke mal zuruft „Möönsch, hast du abgenommen“. Gerade in Bayern, wo Speis und Trank auf ganz besondere Weise Leib und Seele zusammenhalten. Nur dass dort die Wirte nicht unbedingt dick sind, dafür aber die Serviererinnen in ihrem Dirndl oft üppig ausgestattet.

Als gestandener Bayer dürfte Peter Ramsauer, der ehemalige Verkehrsminister und immer noch Freund der Maut, schon von Geburt an ein unverkrampftes Verhältnis zur Haxn, zur Maß und zum Dekolleté haben. Ramsauers Wahlkreis liegt in Traunstein und im Berchtesgadener Land.

Ramsauer hat nun verraten, wie er Politik macht. Nämlich so, dass er wieder gewählt wird. Und das mithilfe der Serviererinnen. Ach, Politik kann ja so einfach sein. Immerhin sitzt Ramsauer seit 1990 im Bundestag.

„Du musst in jedem Dorf mindestens eine Wirtshausbedienung kennen“, verriet er jetzt dem Politmagazin „Cicero“. So ein Wahlkreis muss ja bespielt und bespaßt werden. Und wenn in jedem Dorf, in jeder Gaststube, in jedem Biergarten mindestens eine Serviererin, also die Herrscherin über das Bier, gut auf den CSU-Politiker zu sprechen ist, wird sie nicht schlecht über ihn reden. Oder, wie Ramsauer sagt, „die sagt nichts, aber fährt dazwischen, wenn schlecht über einen geredet wird“. Ob das Umgarnen einer Kellnerin zum Zwecke ihrer Wahlhilfe schon unter Compliance läuft oder unter Bestechung oder nur der Speck ist, mit dem man Mäuse fängt, mögen strengere Geister entscheiden. Auch, wer den Reisebus bezahlt, den Ramsauer, wie er sagt, „alle paar Jahre“ mit Kellnerinnen vollpackt, um sie mit nach Berlin zu nehmen.

Ein geschickter Zug. Denn wenn die Serviererinnen wieder zurück sind zwischen Traunstein und dem Berchtesgadener Land, werden sie allen Gästen erzählen, wie nett und großzügig der Peter ist. Und vielleicht sagen sie auch, dass er von Politik nix versteht, aber a Hund is er scho.

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