Peter Sodann : Tatort Demokratie

Der ehemalige Kommissar Ehrlicher macht seinem Namen alle Ehre: Er sagt, was viele denken. Das aber ist fatal.

Matthias Schlegel

Ehrlicher kann man nicht sein. Peter Sodann, der pensionierte „Tatort“-Kommissar und spätberufene Bundespräsidentenkandidat, ist eine alte Plaudertasche. Sagt so frank und frei heraus, was mancher Linkspartei-Funktionär schon immer mal sagen wollte, sich aber nicht traute, weil er sich und die ganze Truppe nicht schon wieder ins politische Abseits stellen wollte, da man doch gerade im Sturm so erfolgreich ist. Sodann traut sich. Kann doch jeder sagen, was er will. Wir leben schließlich in einer Demokratie. Ach, nein, Sodann ja nicht. Der wird sich jetzt wohl zu Hause einschließen, ehe ihn die Schergen der Gesinnungspolizei verhaften. Er hat ja so seine Erfahrungen. Oder er wird noch rechtzeitig nach Kuba flüchten. Aber mal ehrlich: Wie Sodann denken sicherlich manche an den Stammtischen zwischen Rhön und Rügen. Doch das fatale Signal, das der Schauspieler aussendet, lautet: So sind sie eben, die Ostdeutschen – ewig gestrig und naiv. Die ganze Solidaritätsknete einsacken, die großen Reisen machen, aber über die neuen Freiheiten lamentieren. Solche Echos sind freilich so dümmlich wie die Worte des Rufers. Schmähungen dieser Art haben die Ostdeutschen so wenig verdient wie Peter Sodann die Stimmen bei der Bundespräsidentenwahl. sc

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