Peter Zumthor, Pritzker Preisträger : "Ich bin ein Autoren- Architekt“

Peter Zumthor sollte die "Topograpfie des Terrors" bauen, bevor Christina Weiß und Ingeborg JungeReyer dem Architekten wegen angeblich unkalkulierbarer Kosten kündigten. Am Freitag erhält Zumthor den Pritzker Preis in Buenos Aires. Ein Porträt

Michael Zajonz
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Foto: dpa

Berlin bleibt ein Reizthema. Spricht man den Schweizer Architekten Peter Zumthor auf seinen gescheiterten Entwurf für die „Topografie des Terrors“an, provoziert man bloß unwirsches Kopfschütteln. 1993 hatte der damals noch weitgehend unbekannte Baukünstler den Architektenwettbewerb für die Gedenkstätte mit einer ebenso genialen wie aufwendigen Stabwerkkonstruktion gewonnen. 2004 kündigten die damalige Kulturstaatsministerin Christina Weiss und Berlins Bausenatorin Ingeborg JungeReyer dem Architekten – wegen angeblich unkalkulierbarer Kosten.

Längst ist der ambitionierte Rohbau abgerissen und stattdessen eine Mehrzweckhalle erstellt worden. Wenn Zumthor am heutigen Freitag in Buenos Aires den Pritzker-Preis erhält, den „Nobelpreis der Architekten“, darf in Berlin Wehmut aufkommen. Wie nötig hätte gerade diese Stadt zeitgenössische Baumeister vom Format eines Peter Zumthor! „Ich bin ein Autoren-Architekt“, sagt er über sich.

Der Schweizer baut wenig, aber mit diesem Wenigen macht er Architekturgeschichte. Kaum ein Generationsgenosse kann auf ein so konsistentes, vielgestaltiges Werk zurückblicken wie er. Als gelernter Möbeltischler kam er über den Umweg des Denkmalpflegers zur Architektur. Beide Vorbildungen sind seiner Architektur anzusehen: Stupende Materialkenntnis und Detailbesessenheit treffen auf den untrüglichen Instinkt für Räume, Oberflächen und lokale Baugewohnheiten. Das Ergebnis ist poetische, ja magische Raumkunst.

Bekannt geworden ist Zumthor 1988 mit der winzigen Kapelle Sogn Benedetg in Sumvitg im Kanton Graubünden. Es folgten das Thermalbad in Vals (1996), der mattgrüne Glaswürfel des Kunsthauses Bregenz (1997), der hölzerne Schweizer Pavillon der Expo 2000 in Hannover und das Diözesanmuseum Kolumba in Köln (2007). 2007 wurde seine Feldkapelle Bruder Klaus in Wachendorf/Eifel geweiht. Ein archaisch vor Ort gestampfter Betonklotz, dessen zeltartiges Inneres sich weit oben zum Himmel öffnet.

2001 war der Pritzker-Preis schon einmal in die Schweiz gegangen: an Jacques Herzog und Pierre de Meuron. „HdM“ ist das weltweit erfolgreichste Schweizer Architekturbüro, nicht erst seit dem Olympiastadion von Peking. Zumthor hingegen tüftelt mit wenigen Mitarbeitern im Graubündner Bergort Haldenstein an seinen Projekten. Beide Preise liegen nur acht Jahre, aber Welten voneinander entfernt. Michael Zajonz

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