Pflegepersonal : Ohne Anerkennung

Es fehlt Pflegepersonal – doch der Beruf ist auch für Zuwanderer oft zu unattraktiv. Ohnehin wird es nicht reichen, in der Pflege auf Zuwanderung zu setzen.

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Für diesen Beruf entscheiden sich zu wenige Deutsche - und auch nicht allzu viele Zuwanderer: Eine ungarische Pflegeschülerin in einem Altenheim in Karlsruhe.
Für diesen Beruf entscheiden sich zu wenige Deutsche - und auch nicht allzu viele Zuwanderer: Eine ungarische Pflegeschülerin in...Foto: dpa

Es ist eine Frage, die vermutlich viele Menschen umtreibt: Wer soll uns im Alter oder bei Krankheit pflegen? In Deutschland fehlen im Pflegesektor schon jetzt Fachkräfte, die Situation wird sich in den nächsten Jahren deutlich verschärfen. Die Politik setzt nun verstärkt auf Zuwanderung, bislang mit mäßigem Erfolg.

Momentan fehlen zwischen 20 000 und 50 000 qualifizierte Pflegekräfte, je nach Schätzungen. Um diese Lücke zu schließen, versucht die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit, nicht nur in europäischen Nachbarländern Personal für deutsche Kliniken, Pflegedienste oder Heime anzuwerben, sondern auch auf den Philippinen, in Vietnam oder in China.

Doch die Erfahrungen zeigen: Es ist nicht so einfach, Menschen zum Auswandern nach Deutschland zu bewegen. Das hat mehrere Gründe. Der Arbeitsmarkt wurde lange Zeit abgeschottet. Deutschland war zum Beispiel eines der letzten Länder in Europa, die die Einwanderung für Arbeitnehmer aus den EU-Beitrittsstaaten begrenzt hatten. Die Folge ist: Polen, Tschechen oder Ungarn gehen seit Jahren zum Arbeiten in andere Länder, wo sie mit offenen Armen empfangen werden, etwa nach Großbritannien und Schweden, wo gezielt Pflegekräfte umworben wurden. Diese einmal etablierten Wege zu verändern, ist nicht so einfach.

Hinzu kommt: Deutsch ist nicht gerade eine einfache Sprache. Doch gerade in der Pflege sind ordentliche Sprachkenntnisse unverzichtbar, Patienten und Pfleger müssen sich verständigen können. Ausländische Pflegekräfte benötigen deshalb massive Unterstützung, wenn ihnen der Start in der neuen Heimat erleichtert werden soll – vom Sprachkurs bis zur Unterstützung bei der Wohnungssuche. Doch an solchen praktischen Hilfen hapert es in Deutschland leider noch.

Die Pflegekräfte, die sich trotzdem nach Deutschland aufmachen, müssen sich ebenso wie andere Zuwanderer mit den Behörden herumschlagen, etwa bei der Anerkennung ihrer Ausbildung. Das führt dazu, dass viele der knapp drei Millionen Beschäftigten in Deutschland, die ihren Berufsabschluss im Ausland erworben haben, deutlich unter ihrer Qualifikation arbeiten. Die Beispiele sind bekannt: Ärzte, die als Taxifahrer ihren Lebensunterhalt verdienen, Lehrerinnen, die kellnern. Sie haben immerhin seit einem Jahr einen Rechtsanspruch auf eine zügigere Anerkennung ihrer Abschlüsse. Doch ein Jahr nach Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes haben erst 30 000 Menschen einen entsprechenden Antrag gestellt. Ob das Gesetz wirkt, wird sich noch zeigen müssen.

Doch es wird ohnehin nicht reichen, in der Pflege auf Zuwanderung zu setzen. Die Länder sollten stärker in die Ausbildung investieren. Damit wieder mehr Menschen den Pflegeberuf wählen, muss dieser außerdem attraktiver werden. Mehr Verantwortung, mehr Möglichkeiten, Karriere zu machen, und nicht zuletzt eine bessere Bezahlung gehören dazu. Der Vorteil wäre: Steigt das Prestige der Pflege hierzulande, wird es auch einfacher sein, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen.

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