Pilotenstreik bei der Lufthansa : Der Himmel, so leer

Nichts geht mehr, Räder und Triebwerke stehen still, tausende Fluggäste sitzen am Boden fest, verpassen ihren Geschäftstermin, den Abflug in den Urlaub oder die Heimreise. Der Streik der Lufthansa-Piloten stürzt Deutschland in ein Chaos. Tut er das wirklich?

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 Es stimmt, einen solchen Arbeitskampf hat der Marktführer in seiner 80-jährigen Geschichte noch nicht erlebt. Aber das Horrorszenario vom Luftverkehrskollaps ist eines aus den 90er Jahren, als Wettbewerb für die größte Airline Deutschlands noch ein Gedankenspiel war – zumindest im deutschen Luftraum. Damals, als Air Berlin, Tuifly, Easyjet und Ryanair klein oder unbekannt waren und die Bummelzüge der Bundesbahn fuhren, hätte ein Ausstand von 4000 Flugzeugführern tatsächlich Deutschland über den Wolken lahmgelegt. Heute, so schätzen Fachleute, bleiben die Folgen des Streiks beherrschbar – auch für die Verbraucher. Es gibt Alternativen, am Boden und in der Luft.

Für die vielen Lufthansa- und Germanwings-Kunden, die in den kommenden Tagen nicht wie geplant abheben können, ist das ein schwacher Trost. Der Ärger wird groß sein, dass man auf ICEs, andere Fluggesellschaften oder das Auto ausweichen muss, nur weil ein paar Piloten um ihre Jobs bangen. Doch diese Piloten haben ein berechtigtes Anliegen. Sie wollen nicht dafür büßen, dass sich der Marktführer Lufthansa mit dem Wettbewerb und den Folgen seiner Expansion schwertut. Die Airline ist aggressiv gewachsen, sie übernahm Konkurrenten im Ausland, gründete Tochtergesellschaften – und muss sich nun sortieren und die Kosten in den Griff bekommen. Zugleich verlor sie Kunden an die Billigkonkurrenz, darunter wichtige Geschäftsreisende, die sich in Zeiten der Krise First- oder Business-Class nicht mehr leisten können.

Die den Piloten Anfang der 90er Jahre gegebene Zusage, dass, mit Ausnahmen, auch bei Tochterfirmen nach Lufthansa-Tarif bezahlt wird, stürzt das Unternehmen jetzt in schwere Turbulenzen. Diese Zusage, für die die Piloten damals kräftige Gehaltseinschnitte akzeptieren mussten, wird nun in Zeiten des Wettbewerbs auf eine Belastungsprobe gestellt. Es ist ein Machtkampf, der auch deshalb so erbittert geführt wird, weil nicht nur Arbeitgeber und Arbeitnehmer involviert sind, sondern eine dritte Partei. Vielleicht die mächtigste: die Kunden.

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