Pius-Brüder contra Beck : Kulturkampf

Auch die Pius-Bruderschaft, das wird man in Analogie zum Islam-Wort des Bundespräsidenten wohl sagen müssen, gehört zu Deutschland.

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Das Dumme an unserer schönen deutschen Leitkultur ist, dass sie in so furchtbar viele Einzelteile zerfällt. Der christliche Anteil beispielsweise besitzt evangelische und katholische Komponenten, und der katholische Leitkulturzweig muss so disparate Strömungen wie die Befreiungstheologie und die Pius-Bruderschaft unter einen Hut bringen. Auch die Pius-Bruderschaft, das wird man in Analogie zum Islam-Wort des Bundespräsidenten wohl sagen müssen, gehört zu Deutschland, obwohl prominente Brüder nicht nur antisemitisch argumentieren, sondern sich einen christlichen Gottesstaat ersehnen, bestimmt von einer Art Scharia light mit Todesstrafe und erbittertem Kampf gegen Gotteslästerung, Homosexualität und Pornografie.

Der Grünen-Abgeordnete Volker Beck, bekennender Schwuler, hat die Gotteskämpfer dadurch provoziert, dass er der Bundesregierung im Gewand eines langen Fragenkatalogs vorschlug, sie vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Nein, antwortete die Bundesregierung, so extremistisch finde man die Bruderschaft nun auch wieder nicht.

Deutschlands Pius-Chef Franz Schmidberger ist dennoch verstimmt über Beck, denn er legt dem Grünen nun den Rücktritt von seinen Ämtern nahe: Beck habe nicht nur gegen die Glaubensfreiheit verstoßen, sondern mit seiner Kampagne für das Lebenspartnerschaftsgesetz auch den Schutz der Familie unterminiert. Das war’s: Die Pius-Brüder bleiben unbeobachtet, Beck bleibt im Bundestag. Glücklicherweise ist es ein Kernstück deutscher Leitkultur, dass man sich grundsätzlich nicht auch noch mit Bomben bewirft – selbst wenn die Auffassungen weiter voneinander entfernt sind als Rom von Mekka.

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