Plakate zu den Autobränden : Es brennt im Wahlkampf

Die CDU hat einen Entwurf erarbeitet und die FDP klebt schon: Die Autozündelein sind im Wahlkampf und auf Plakaten angekommen. Das Thema aber ist gefährlich.

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Der Erfolg der Piratenpartei zeigt, welche politische Dynamik die digitale Revolution, das Internet und die sozialen Netzwerken in sich bergen. Die etablierte Politik tut sich damit extrem schwer. Foto: dapdWeitere Bilder anzeigen
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07.09.2011 10:07Der Erfolg der Piratenpartei zeigt, welche politische Dynamik die digitale Revolution, das Internet und die sozialen Netzwerken in...

Jetzt also auch die FDP. Auf einem großen Plakat, präsentiert vom Berliner Spitzenkandidaten Christoph Meyer zusammen mit FDP-Generalsekretär Christian Lindner zeigt zwei junge, vermummte Menschen in Kapuzenpulli, die geduckt an einem brennenden Auto vorbeihuschen. Darauf die Zeile "Erst die Autos, und dann ..." Darunter "Arbeit. Bildung. Mehr Polizei. FDP" Auch die CDU hat schon die Druckmaschinen angeschmissen und ein Plakat entworfen.

Die Autozündler als großes Gewinnerthema oder für andere vielleicht die letzte Hoffnung? Es ist auf jeden Fall ein gefundenes Fressen. Dem Reflex scheinen CDU und FDP nachzugeben. Dabei ist dieses Thema vor allem eines: gefährlich. Tatsächlich und politisch. Und zwar für alle Parteien.

Natürlich trägt Klaus Wowereit in Berlin als Rathauschef die Verantwortung. Er ist es, der sich stellen muss - und dabei am allerwenigsten zu gewinnen hat und am meisten verlieren kann. Die Grünen und die Linken haben ebenfalls ein großes Problem. Zwar ist längst noch nicht bewiesen, dass die Täter aus dem linksextremen Spektrum kommen. Aber bis das bewiesen oder widerlegt ist, kann die Wahl schon gelaufen sein. Und im Wahlkampf sind es nicht immer die Fakten, die ausschlaggebend sind, sondern die Assoziationen, das Gefühl, die Bilder im Kopf. Und die zeichnen sich schon so deutlich ab, dass sie auf Plakate passen - das genügt.

Friedhof der ausgebrannten Autos
In einer Halle in Schöneberg sammelt die Polizei die ausgebrannten Autos der vergangenen Monate. Eine Bildergalerie. Foto: Henning OnkenWeitere Bilder anzeigen
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19.08.2011 08:01In einer Halle in Schöneberg sammelt die Polizei die ausgebrannten Autos der vergangenen Monate. Eine Bildergalerie.

Aber vor allem die CDU muss aufpassen. Ein wirkliches Gewinnerthema ist das nur auf den flüchtigen ersten Blick. Tatsächlich läuft die Partei Gefahr, in die Koch-Falle zu tappen. Der einstige hessische Ministerpräsident versuchte im Wahlkampf 2008, jugendliche Straftäter nach Sibirien zu schicken, um sein Image als Hardliner aufzupolieren. Dass es nicht schief ging, lag am Ende an einigen hundert Stimmen und dem Wortbruch von Andrea Ypsilanti. Henkel versucht sich bisher in einer anderen Strategie. Den Law-and-Order-Mann gab er bisher nicht und das hat ihn und seine Partei immerhin auf Augenhöhe mit den Grünen gebracht. Jetzt läuft er Gefahr, diese Linie wieder zu verlassen.

Die FDP wiederum muss einen verzweifelten Kampf führen - gegen den Trend, gegen die Piraten, gegen die Rechtspopulisten von "Pro Deutschland". Das verleitet dazu, ins selbe Horn zu blasen.

Insofern ist das Thema Autobrände ein echtes Wahlkampfthema - nur keines, womit irgendeiner wirklich Aussichten auf Erfolg hat.

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