Meinung : Pöbeln ohne Reue

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Entschuldigen Sie mal, bitte. Bzw.: Lieber nicht. Denn die Technik des Entschuldigens macht gerade eine große Wandlung durch. Früher war das einfacher: Man hatte einen Bock geschossen, es gab Gezanke, dann das erlösende Wort: „Tschuldjung“. Heute wird vor allem in Italien geradezu ein UmgehungsKult entwickelt. Auf Berlusconisch geht das so, dass wir jemanden z. B. „Du Arschloch!" schimpfen. Fordert er eine Entschuldigung, lehnen wir ab, bedauern aber, dass die Äußerung habe missverständlich interpretiert werden können. Doch es geht noch eleganter, nämlich mit der Methode des Staatssekretärs Stefani. Er hatte gesagt, die Deutschen seien „einförmige, supernationalistische Blonde", die lärmend über Italiens Strände herfielen. Entschuldigung? Nein, macht er nicht. Statt dessen die elegante Replik: Was einige Deutsche angeht, werde er seine Meinung nicht ändern. Bitte: Möchte man ihm da widersprechen? Es ist nun also möglich, öffentlich beispielsweise zu äußern, die Italiener seien mörderische, mafiöse Kinderschänder. Das ist zwar Schwachsinn, aber garantiert zutreffend, soweit es einige Italiener angeht. Pöbeln ohne Reue – der Traum wird wahr. Allerdings sollte man schon der gegenwärtigen italienischen Regierung angehören, um damit einigermaßen sicher durchzukommen.

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