Polanski-Verhaftung : Blamage für die Schweiz

Der Regisseur Roman Polanski wurde in der Schweiz verhaftet. Denn die Regierung ist um gute Beziehungen zu Washington bemüht.

Andreas Oswald

Es könnte für alle eine Befreiung sein, wenn Roman Polanskis Prozess in den USA endlich zu einem Ende käme. Der Vorgang seiner Verhaftung ist aber ein ganz anderes Thema. Die Schweizer Regierung hat in ihrem Konflikt mit den USA um die Hilfe ihrer Banken bei Steuerhinterziehung demütigende Niederlagen erlitten und ist jetzt sehr um gute Beziehungen zu Washington bemüht. Da kam das Ersuchen der US-Behörden, Polanski zu verhaften, wohl sehr gelegen. Der Regisseur fährt regelmäßig in sein Chalet in Gstaad. Ginge es um die Sache, hätte die Schweizer Justiz längst einmal dort klingeln können. So aber drängt sich der Eindruck auf, die Schweizer Regierung habe aus außenpolitischen Gründen die Justiz gegen ihn eingesetzt. Erschwerend kommt hinzu, dass er als Gast zum Filmfestival nach Zürich eingeladen war. Im Umgang mit dem Ausland scheint die Schweiz derzeit keine glückliche Hand zu haben. Als der Bundespräsident kürzlich in Libyen bei Muammar Gaddafi war, um mit unterwürfiger Geste zwei Schweizer freizukriegen, ließ ihn der Wüstendespot genüsslich auflaufen. Im Steuerstreit mit Deutschland musste die Schweiz einen erniedrigenden Rückzieher machen. Jetzt hat sich das Land auch noch bei Kulturschaffenden auf der ganzen Welt in Misskredit gebracht. os

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