Meinung : Polen: Späte Entschuldigung

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Mühsam ringen die Polen mit der Aufarbeitung eines lange tabuisierten Kapitels ihrer Geschichte. Die Diskussion um das Pogrom von Jedwabne verdeutlicht, wie schwer die Korrektur des historischen Selbstbilds fällt und wie tief antisemitische Vorbehalte teilweise noch wurzeln. Falsch wäre es, die Morde der Schläger von Jedwabne mit dem staatlich organisierten Völkermord der Nazis gleichzusetzen. Doch die polnischen Debatten erinnern dennoch ein wenig an deutsche, zeugen von dem Bemühen der Nachbarn um einen offeneren Umgang mit ihrer lange zum Leidensmythos heroisierten Geschichte. Rund die Hälfte der Polen sprach sich vorab gegen eine Entschuldigung für das Pogrom aus. Obwohl im September Wahlen anstehen, hat Präsident Kwasniewski - im Gegensatz zu der katholischen Kirchenführung - dennoch auf einen populistischen Schlingerkurs verzichtet. Eindeutig und würdig hat er sich für Jedwabne entschuldigt, damit die Grundlage für eine nachhaltige Belebung des jüdisch-polnischen Dialogs gelegt. Doch noch trennte die Polizei bei der Feier die Angehörigen der Opfer und die Nachkommen der Täter, konnten sich nur wenige Bischöfe dazu durchringen, ihre Solidarität mit ihren jüdischen Mitbürgern zu bekunden. Mit der Präsidenten-Erklärung ist ein Anfang gemacht. Ein echter Durchbruch in den polnisch-jüdischen Beziehungen steht noch aus.

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