Meinung : Politbarometer: Wer wird der Lafontaine der Union?

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Die SPD gewinnt in der Wählergunst, ohne sehr viel dafür zu tun, die Union verliert und tut einiges dafür. In ihren personellen Querelen spiegelt sich die existenzielle Verunsicherung der Post-Kohl-Partei. Machtverlust, das Denkmal gestürzt, die Schäuble-Generation im Abseits - das war zu viel. Nun befehden sich Merkel, Merz und Stoiber, aber in der Opposition wirken solche Machtkämpfe ohne Macht lächerlich. In ihrer Not greifen Merz / Merkel zu schrillen Oppositionsgesten (der Kanzler als Krimineller) - doch niemand weiß, was sie denn bei Rente, Gesundheitsreform oder BSE so ganz anders machen würden. Die Führung führt nicht. Deshalb geht Merkels Absturz auch nicht auf das Konto einer übellaunigen Journaille, er spiegelt Merkels eigene Unsicherheit. Sie hat versucht ihr Image - liberal, weiblich, Osten - nach rechts zu korrigieren. Dabei hat sie viel verloren. Das war absehbar, denn die Deutschen mögen es, wenn Politiker von außen in die Mitte rücken - daher ihre unverwüstliche Neigung zu Fischer. Der umgekehrte Weg wirkt unsympathisch. Trösten mag sich die Union, dass es der SPD vor sieben Jahren noch viel, viel schlechter ging. Schröder, Scharping, Lafontaine bekämpften sich - und auch intime Kenner der SPD wussten nicht immer, worum es dabei ging. Dann kam der Putsch in Mannheim, und es ging bergauf. Wer wird der Lafontaine der Union?

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