Meinung : Politik aus der Handtasche

LABOUR-PARTEITAG

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Viel Feind, viel Ehr, das gilt manchmal auch in der Politik. Wie viele Briten erinnert sich nun auch Tony Blair an Margaret Thatcher, die britische Premierministerin, die ihre größten Reformerfolge erst spät in ihrer Amtszeit und angesichts wachsender innerparteilicher Feindseligkeit schaffte. Als es damals Kabinettsrücktritte, katastrophale Meinungsumfragen, Massenstreiks und Proteste gab, zitierte die Premierministerin auf einem Parteitag Shakespeare: „The lady is not for turning“, und schwor, ohne Kehrtwende weiter und weiterzumachen, bis das Ziel erreicht sei. Nun hat Blair beim Parteitag in Bournemouth seinen Thatcher-Moment. „Ich bleibe, bis der Job getan ist“, versichert er in Interviews. Die Meinungsumfragen für Blair sind verheerend. Doch er hat mindestens bis Juni 2004 Zeit, wieder Boden unter die Füße zu bekommen, zumal seine Partei, anders als die Tories bei Maggie Thatcher, keinen Grund hat, ihn aus Angst vor einer Wahlniederlage zu stürzen. Entscheidend für Blairs Überleben sind nun positive Nachrichten aus dem Irak, vor allem aber, dass er den Briten seine innenpolitischen Reformen wirkungsvoller verkaufen kann. Auch hier ist Thatcher das Vorbild. Allerdings, bei Maggie wussten alle, wohin sie das Land führen wollte. Dieses ist Blair mit seinem Reformprogramm bisher noch nicht gelungen. Deshalb bleibt er verwundbar. mth

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