Porsche wird VW : Wiedekings Erbe

Porsche wird ein Volkswagen. Für Porsche-Fans ist das ein Totalschaden. Aber auch VW-Anhängern wird flau bei dem Gedanken.

Henrik Mortsiefer

Was kümmern uns die Sorgen einiger Milliardäre, die miteinander verwandt (und verfeindet) sind und die eigentlich nur Autos bauen? Warum fesselt uns die Karriere eines großspurigen Managers wie Wendelin Wiedeking, der nach 17 Jahren im Morgengrauen als Porsche-Chef entlassen wird – und 50 Millionen Euro dafür bekommt? Warum interessiert uns die Zukunft eines Sportwagenherstellers, dessen Produkte sich die meisten Menschen nicht leisten können?

Die Luxusprobleme der Auto-Dynastie Porsche-Piëch wären die Aufregung nicht wert, wenn sich an ihnen nicht gut erklären ließe, wie Wirtschaft funktioniert. Nämlich meistens wie das echte Leben. Es geht um Geld, Macht und Intrigen. Wirtschaft, so zeigt sich, wird von Menschen gemacht, die in ihrer Genialität unberechenbar werden (Ferdinand Piëch), die sich schlicht überschätzen (Wendelin Wiedeking) oder die politisches Kapital schlagen aus den Fehlern anderer (Christian Wulff).

Der Traum des Wendelin Wiedeking, den 15-mal größeren VW-Konzern auf Pump zu kaufen und dann der weltgrößte Autobauer zu werden, liefert Stoff für ein Drama. Wiedeking kämpfte und scheiterte, aber er ist kein tragischer Held. Es endet die Karriere eines fürstlich bezahlten Managers, der Verdienste hat. Er belebte eine Autolegende wieder, machte die schrottreife Marke Porsche zu einer der wertvollsten und faszinierendsten der Welt. Am Ende wurde der hemdsärmelige Westfale von den Versuchungen des Casino-Kapitalismus angelockt und vom Größenwahn gefressen. Und er unterschätzte die Abgründe eines bisweilen verrückten, 60-köpfigen Clans, der sich nach und nach von ihm abwandte.

Hätte man das alles verhindern können? Das Familienunternehmen Porsche – zwar börsennotiert, aber nicht transparent – ist schlecht kontrolliert worden. Die Piëchs und Porsches haben es im Aufsichtsrat versäumt, die Finanzakrobatik ihrer angestellten Vorstände zu bremsen. Stattdessen trugen die Vettern Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche Fehden aus, munitioniert von der Politik und den Betriebsräten. Das macht deutlich: Die gelobten Tugenden familiengeführter Unternehmen (Nachhaltigkeit, Diskretion) haben Schattenseiten – wie auch der Fall Schaeffler/Conti zeigt.

Sicher, die Finanzkrise machte Porsche einen Strich durch die Rechnung mit VW-Optionen. Aber der Konzern war auch angreifbarer als andere. Seine Führung glaubte, wie ein Hedgefonds von allen Marktlagen profitieren zu können – und Autos nur nebenbei bauen zu müssen. Spekuliert wurde dabei auf Kredit. Ein Risiko, vor dem selbst Kleinanleger gewarnt werden. Wie eine Droge wirkte, dass zwischendurch der Gewinn höher als der Umsatz ausfiel.

Dieser Rausch ist vorbei. Porsche wird ein Volkswagen. Als zehnte Marke soll die von zehn Milliarden Euro Schulden befreite Luxusfirma in den Brot-und-Butter-Konzern eingeparkt werden. Für Porsche-Fans ist das ein Totalschaden. Aber auch VW-Anhängern wird flau bei dem Gedanken. Denn Ruhe dürfte nicht einkehren, der Streit sitzt weiter mit am Tisch. Das Land Niedersachsen wird seine vom VW-Gesetz verbrieften Vetorechte nutzen. Die Scheichs aus Katar werden als Großaktionäre mitreden. Wolfgang Porsche wird seinem Vetter Ferdinand so schnell nicht vergessen, dass er Wiedeking sturmreif schoss. Und Piëch schließlich wird sich gegen die Rache der Familie zu wehren wissen. Das Drama ist noch längst nicht zu Ende.

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