PORTRÄT AHMET TÜRK, CHEF DER KURDENPARTEI DTP : "Wir waren immer gegen Waffen"

Viele Beobachter in der Türkei hatten ein Verbot der Kurdenpartei DTP durch das Verfassungsgericht des Landes erwartet. Doch dass die Richter ausgerechnet den als gemäßigt geltenden Parteivorsitzenden Ahmet Türk mit einem Politikverbot belegten, obwohl sie so manchen Hardliner unangetastet ließen, stieß vielerorts auf Kritik.

Susanne Güsten

Nach dem Urteil will Türk, 67, nun retten, was zu retten ist. Er sei dagegen, dass die verbliebenen 19 Abgeordneten der DTP ihre Parlamentsmandate niederlegten, wie es vor dem Verbotsurteil angekündigt worden war, sagte Türk der Zeitung „Radikal“ vom Sonntag. Ein Parlamentsboykott wäre ein Signal dafür, dass die Kurden kein Vertrauen mehr in die friedliche Politik hätten. Eine Entscheidung soll an diesem Montag fallen.

Türk selbst und die Abgeordnete Aysel Tugluk verloren mit dem Urteil des Verfassungsgerichts ihr Parlamentsmandat. Damit verfügt die Ex-Partei noch über 19 Abgeordnete in Ankara. Sie denken nun über die Bildung einer neuen kurdischen Parlamentsfraktion nach, ein Gedanke, der von Türk unterstützt wird, obwohl er selbst aus dem Parlament ausscheiden muss.

Nach der Verbotsentscheidung vom Freitag gab es in mehreren türkischen Städten gewaltsame Zusammenstöße zwischen kurdischen Demonstranten und der Polizei, die auch in der Nacht zum Sonntag anhielten. Da die kurdische Rebellenorganisation PKK bereits vor dem Urteil ihre Gewaltaktionen verstärkt hatte, macht sich die Furcht vor einer neuen Radikalisierung der Kurdenszene breit.

Das Verfassungsgericht hatte das Verbot der DTP mit deren Nähe zur PKK begründet. Die Hardliner in der PKK werden das Urteil wohl für ihre Propaganda nutzen und können mit neuem Zulauf rechnen. Türk bezeichnete die Gerichtsentscheidung dagegen als Akt der politischen Willkür. Andere Parteien könnten nationalistische Hetzparolen verbreiten oder sogar einen Militärputsch gutheißen, ohne dass sie verboten würden, sagte er. Gleichzeitig bekräftigte er das Ziel einer demokratischen Lösung des Kurdenkonflikts. „Wir waren immer gegen Waffen“, sagte er.

Die Familie von Türk wiederum liefert in diesen Tagen ein Beispiel dafür, wie eng die Schicksale von Kurden und Türken in dem seit 25 Jahren andauernden Krieg der PKK gegen den türkischen Staat miteinander verwoben sind: Am Tag nach dem Verbotsurteil gegen die DTP begann Türks Sohn seinen Wehrdienst in der türkischen Armee.

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