Porträt : Akio Toyoda: "Wir haben nie etwas verschleiert"

"Genchi Genbutsu", ruft der Toyota-Chef angesichts der Krise von Toyota. Das wird kaum reichen.

Finn Mayer-Kuckuk

Als Akio Toyoda, Chef des japanischen Autokonzerns Toyota, am Mittwoch zum dritten Mal innerhalb von zwei Wochen vor die Presse trat, geriet sein Statement unversehens zur Selbstverteidigung. „Wir haben niemals etwas verschleiert“, beteuerte er. „Wir haben keine Information zurückgehalten.“ Der Enkel von Firmengründer Kiichiro Toyoda steht wegen der nicht enden wollenden Pannenserie um falsch funktionierende Gas- und Bremspedale inzwischen auch persönlich unter Druck. Gerade der amerikanischen Presse ist nicht entgangen, dass sich der Japaner erst am vergangenen Freitag zum ersten Mal persönlich für das Debakel entschuldigte. Dies wiegt umso schwerer, als Entschuldigungen eigentlich integraler Bestandteil der japanischen Kultur sind.

„Es keimt die Frage auf, ob er der richtige Mann für den Job ist“, sagt der Branchenexperte Masaaki Sato, Autor mehrerer Bücher über Toyota und seine Führungskräfte. „Er hat sich lange zurückgezogen, statt in Amerika oder von Tokio aus diese Riesenkrise zu bewältigen“, sagt Sato. Aber auch jetzt scheint der 53 Jahre alte Firmenchef die Gefahr für Japans Vorzeigekonzern zu unterschätzen. So wird Toyoda in der kommenden Woche nicht persönlich bei einer vom US- Kongress anberaumten Anhörung zu den Fahrzeugproblemen in Washington Rede und Antwort stehen. Stattdessen schickt er seinen Nordamerika-Chef.

Akio Toyoda war im vergangenen Jahr Unternehmenschef geworden, nachdem für anderthalb Jahrzehnte familienfremde Manager das Unternehmen geführt hatten. Inzwischen hatte sich Toyoda, der Jura und BWL studierte, auf verschiedenen Positionen im Unternehmen hochgearbeitet und beispielsweise eine Gebrauchtwagenwebsite aufgebaut. Die Familie hält nur noch weniger als zwei Prozent an dem Konzern – auch ein Toyoda muss deshalb den Aktionären beweisen, dass er führen kann.

Bei seinen seltenen Auftritten wiederholt er auffällig oft und mit lauter Stimme – als ob vor ihm kein Mikrofon stände – die Formel, dass er „hingehen und sich Durchblick verschaffen“ wolle. „Genchi Genbutsu“ ist eine hundert Jahre alte Formel der Unternehmensgründer, die sich im Qualitätsmanagement durchaus bewährt hat. Doch in der aktuellen Lage klingt aus ihr Hilflosigkeit – das Imageproblem des Unternehmens entsteht in den Köpfen der potenziellen Kunden, und gerade dahin reicht Toyodas Einfluss mit solchen Auftritten zurzeit nicht. 

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