• PORTRÄT AL FRANKEN KOMIKER UND POLITIKER:: „Aufkleber aufs Auto, und nur nicht drängeln!“

PORTRÄT AL FRANKEN KOMIKER UND POLITIKER: : „Aufkleber aufs Auto, und nur nicht drängeln!“

Christoph von Marschall

Hillary Clinton reist jetzt mit ihm durch Minnesota, den US-Staat der tausend Seen im nördlichen Mittleren Westen. Am kommenden Dienstag wird nicht nur ein neuer Präsident gewählt, sondern parallel der Kongress. Die Demokraten hoffen auf insgesamt 60 Sitze im Senat: Die Mehrheit, die ihnen und einem Präsidenten Barack Obama die volle Handlungsfähigkeit gäbe, weil die Republikaner dann nicht mehr mit „Filibustern“, einem Verfahrenstrick, Abstimmungen verhindern können. Einen der Senatssitze soll Al Franken erobern. Das Rennen in Minnesota ist das teuerste in dieser Kongresswahl. Der konservative Amtsinhaber Norm Coleman hat 18 Millionen Dollar Spenden gesammelt, Franken 16 Millionen.

Bekanntheit und Popularität verdankt der 57-Jährige seinem Humor. Er war Drehbuchschreiber und Schauspieler in der wöchentlichen Satiresendung „Saturday Night Live“. Er hat einen Emmy gewonnen und fünf Bestseller geschrieben, in denen er die Republikaner und ihre Vorstellungen von fairer Berichterstattung verspottet. Sein bekanntestes Buch „Lies and the Lying Liars Who Tell Them: A Fair and Balanced Look at the Right“ nimmt den konservativen Sender Fox aufs Korn und dessen Anspruch, „fair und ausgewogen“ zu informieren. Den Prozess um Titel und Inhalt gewann Franken gegen Fox. Als die Konservativen mit ihren „Talk Radios“ die Meinungsführerschaft im Äther des Mittleren Westens eroberten, gründete er ein erfolgreiches Gegenprogramm: „Air America“.

Doch manchen geht seine Satire zu weit. Konkurrent Coleman holte Frankens Playboy-Kolumne „Porn-O-Rama“ aus dem Jahr 2000 heraus. Die Fantasien über ein Sex-Institut verletzten die Moralvorstellungen in Minnesota. Umstritten war auch Frankens Aufforderung an Republikaner, die der Jugend sexuelle Enthaltsamkeit predigen, sie sollten Beispiele aus ihrem eigenen Leben schildern, wie sie selbst der Versuchung widerstanden hätten – er wolle ein Buch daraus machen.

Franken ist Teil des Kulturkampfs, der in Amerika tobt. Er ist in New York in einer jüdischen Familie geboren und in Minnesota aufgewachsen. Die Finanzkrise hat seine Wahlchancen verbessert, aber die Wertedebatte hilft dem Republikaner Coleman. Minnesota ist stark geprägt von Einwanderern aus Deutschland und Skandinavien. Die Demokraten tragen hier noch den Zusatz „Farmer- und Arbeiterpartei“, man denkt sozialdemokratisch, ist kulturell aber eher konservativ. Das Patt in den Umfragen versucht Franken mit Humor aufzulösen: Seine Fans sollten ihre Autos mit Franken-Aufklebern schmücken, nur „bitte nicht drängeln oder anderen den Weg abschneiden. Nach der Wahl dürft ihr wieder fahren, wie ihr wollt“. Christoph von Marschall

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