PORTRÄT ALAN KRUEGER OBAMAS NEUER BERATER: : „Mindestlöhne sind kein Jobkiller“

30.08.2011 17:57 UhrVon Christoph von Marschall
Foto: Reuters Foto: REUTERS
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Mit dieser Personalwahl legt Barack Obama seine Priorität für die 15 Monate bis zur Wahl 2012 fest: Jobs, Jobs, Jobs. Zuletzt musste er sich auf die Reduzierung der Schulden konzentrieren – sehr zu seinem Verdruss. Da sind keine Lorbeeren zu gewinnen. Er möchte als Präsident dastehen, der sich unermüdlich um neue Arbeitsplätze kümmert. Nun hat er Alan Krueger zum Chef seines ökonomischen Beraterteams berufen. Der 50-jährige Princeton-Professor ist ein Arbeitsmarktexperte. Seine Studien dienen dem Nachweis, dass Mindestlöhne nicht automatisch Arbeitsplätze vernichten. Er hat Partnerschaftsmodelle entwickelt, wie Staat und Wirtschaft unter den Bedingungen der USA Jobs schaffen: vor allem durch direkte Steuerreduzierungen für jede neue Stelle.

Kruegers Berufung ist der Auftakt zu einer politischen Offensive. Auch in diesem Jahr war der Sommer eine Saison des Missvergnügens für Obama. Nach dem Streit um die Schuldenobergrenze, der Heraufstufung der Kreditwürdigkeit Amerikas und enttäuschenden Konjunkturdaten ist die Zustimmung zu ihm auf 40 Prozent gerutscht, ein neues Tief. Der „Labor Day“-Feiertag am ersten Montag im September markiert traditionell den Beginn der politischen Saison. Obama hat eine Grundsatzrede zur Wirtschaftspolitik für die kommende Woche angekündigt.

Es wird ein schwieriger Spagat zwischen Pragmatismus und Mobilisierung der linken Basis für den heraufziehenden Wahlkampf. Im pragmatischen Part muss Obama Vorschläge machen, die Aussicht auf eine Mehrheit im republikanisch dominierten Parlament haben – kein neues staatliches Konjunkturpaket mit dreistelligen Milliardenausgaben, sondern Steuersenkungen. Zugleich muss er den Wählern links der Mitte beweisen, dass er sich von den Rechten nicht erpressen lässt. Dazu gehört Klassenkampfrhetorik gegen die Wall Street und die Bosse großer Konzerne, die Gewinne machen, ohne neue Leute anzustellen – nur bloß nicht zu viel davon, um nicht die wahlentscheidenden Wähler der Mitte zu erschrecken.

Krueger personifiziert diese Mischung: Ein Fachmann, der leicht links der Mitte steht, aber den Blick für praktische Lösungen hat. Um es den Republikanern zu erschweren, ihn als halben Marxisten darzustellen, hat sich das Weiße Haus vorab zwei Gütesiegel geben lassen: Die obersten Wirtschaftsberater Bushs und Reagans loben Krueger als gute Wahl. Christoph von Marschall

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