PORTRÄT ALEXANDER GRAF LAMBSDORFF FDP-EUROPAABGEORDNETER: : „Endlich ist es gelungen“

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Um zu wissen, wer Alexander Graf Lambsdorff ist, musste man sich bis vor kurzem für Außenpolitik interessieren oder FDP-Mitglied sein. Am besten beides. Nun wird sich das womöglich ändern. Am Donnerstagabend hat die wohl bekannteste deutsche Liberale im Europa-Parlament, Silvana Koch-Mehrin, überraschend erst ihren amtierenden Parteivorsitzenden Guido Westerwelle angerufen und später – nach mehreren Versuchen – auch dessen designierten Nachfolger, Philipp Rösler, erreicht und ihren Rücktritt von allen Ämtern erklärt.

Prompt meldete sich Koch-Mehrins Europa-Kollege Lambsdorff und erklärte, er werde für alle ihre Ämter kandidieren, im Europa-Parlament und auch in der FDP. Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um sich vorzustellen, dass da einer nicht ganz unfroh über den Weggang der Chefin war.

Lambsdorff damit allerdings unterstellen zu wollen, er sei ein Pöstchenstreber, dem es nicht um die Sache geht, wäre falsch. Der 1966 in Köln geborene Lambsdorff hat sich schon seit Jugendtagen mit internationaler Politik befasst, in Deutschland und Washington europäische Geschichte studiert. Nach Stationen bei der Unternehmensberatung McKinsey und der EU-Kommission kam der Neffe des legendären Otto Graf Lambsdorff zur FDP und wurde nach einer Diplomatenausbildung Mitarbeiter im Planungsstab des Auswärtigen Amts und später Büroleiter bei Klaus Kinkel im Deutschen Bundestag.

Transatlantiker, Europäer und seit Jahren neben Koch-Mehrin einer der wichtigsten Verbindungsleute der FDP-Europapolitiker: Als Anfang April in der FDP die Frage auftauchte, ob Westerwelle überhaupt noch Außenminister bleiben kann und soll, wurde der Name Lambsdorff ganz oben auf die Liste möglicher Nachfolger gesetzt. Und beim Parteitag in Rostock an diesem Wochenende wird man ihn vorn auf der Bühne bereits als Mitglied des neuen Teams von Rösler zu sehen bekommen. Schließlich wird Frau Koch-Mehrin nicht nach Rostock fahren.

Der Parteitag am Wochenende soll ganz dem Neuanfang der FDP gewidmet sein. Eine Doktorarbeitsaffäre hätte die Inszenierung der Aufbruchstimmung gestört. Rösler soll Koch-Mehrin am Mittwoch Abend mitgeteilt haben, er persönlich halte es für besser, wenn sie zurücktrete. Druck sei aber nicht ausgeübt worden. Man sei sich schnell einig gewesen, Koch-Mehrin habe selbst entschieden, ihren Rücktritt bekannt zu gegeben. Antje Sirleschtov

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