• PORTRÄT ALEXANDER LEBEDEW MILLIARDÄR, EX-KGB-SPION:: „Gelegenheit, Geld zu verschwenden“

PORTRÄT ALEXANDER LEBEDEW MILLIARDÄR, EX-KGB-SPION: : „Gelegenheit, Geld zu verschwenden“

Joachim Huber
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Foto: dpadpa

Furchtbar reiche Russen heißen Oligarchen. Alexander Lebedew ist einer, sein Vermögen wird aktuell auf zwei Milliarden Euro geschätzt. Er ist an Banken, Energiekonzernen und an der Fluglinie Aeroflot beteiligt. Oligarch heißt auch, dass Kontakte, wenn nicht mehr, zu Russlands Ober-Oligarchen, Ministerpräsident Wladimir Putin, bestehen.

Lebedew und Putin hatten zu Sowjetzeiten denselben Arbeitgeber, den KGB. Die Wege der ExSpione trennten sich. Putin wurde Russlands neuer Zar, Lebedew eine schillernde Persönlichkeit. Er ging in die Wirtschaft, saß in der Duma, gründete mehrere Parteien, trat als Duma- und Putin-Kritiker auf und hielt trotz seiner Einwände gegen die autoritäre Kreml-Politik eine fortgesetzte Führungsrolle Putins für notwendig, um Stabilität zu gewährleisten. Lebedew, dessen Familie zur sowjetischen Intelligenzia gehörte, ist ein Halboppositioneller, der es sich bei Hofe nicht verderben will. Nach eigenen Maßstäben ist der 50-jährige Multiunternehmer ein Liberaler, der sich elegant kleidet und seine internationalen Geschäfte über Zürich steuert. Englisch fließend.

2006 erwarb er mit Michail Gorbatschow Anteile an der regierungskritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“, für die auch die ermordete Anna Politkowskaja gearbeitet hatte. Als Diplomat und KGB-Mann in London war der „Evening Standard“ eine bevorzugte Nachrichtenquelle von Alexander Lebedew. Als Oligarch und Banker hat er die vom Verstummen bedrohte „Stimme Londons“ gekauft, die Kaufzeitung in ein Gratisblatt verwandelt. „Es geht nicht darum, Geld zu verdienen. Dies ist eine gute Chance, Geld zu verschwenden“, begründete er diesen Schritt sehr oligarchisch.

Er muss, in der Tat, ein Haufen Geld zum Verschwenden haben, denn jetzt setzt Lebedew, der offenbar doch mehr als ein Eitelkeitsverleger ist, zum nächsten Kauf an. Der „Independent“, der wie der „Standard“ zu den überregional einflussreichen Tageszeitungen auf der Insel gehört, soll es werden. Möglich, dass Lebedew wieder für ein Pfund zum Zuge kommt, der liberale „Independent“ ist heillos überschuldet.

Alexander Lebedew sagt, er sei an europäischen Medien interessiert, weil er in Russlands weitgehend staatlich kontrolliertem Markt keine Expansionsmöglichkeiten habe. Und die Briten sind pragmatisch genug, dass ihnen ein zeitungshungriger Ex-KGB-Spion näher ist als ein leerer Zeitungskiosk. Joachim Huber

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