PORTRÄT ALI ABDULLAH SALEH PRÄSIDENT DES JEMEN: : „Acht erfolgreiche Operationen“

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Ali Abdullah Saleh ist kaum noch wiederzuerkennen. Sein Gesicht ist durch Brandwunden gedunkelt. Hände, Arme und Brustkorb sind bandagiert. Der Kopf mit einer rot-weißen Guthra verhüllt, wie sie in Saudi-Arabien üblich ist. Fünf Wochen nach dem Bombenattentat in der Palastmoschee von Sanaa zeigte sich der 69-jährige Präsident vergangene Woche zum ersten Mal wieder seinem Volk. Er wirkte steif und schwach. Die Ansprache aus seinem Krankenzimmer heraus dauerte nur wenige Minuten, ohne dass der Schwerverletzte irgendwelche Kompromissbereitschaft gegenüber der Jugendbewegung und den Oppositionsparteien erkennen ließ. Den jungen Regimegegnern warf er vor, sie hätten ein „falsches Verständnis von Demokratie“. Sich selbst dagegen nannte er einen „Verteidiger von Demokratie und Stabilität“. Erneut forderte er die Opposition zum Dialog auf, beschuldigte sie aber gleichzeitig, eine Strategie der Erpressung zu verfolgen. Mit keinem Wort ging er auf einen möglichen eigenen Machtverzicht ein. Der Nachrichtensender Al-Arabija meldete vielmehr, dass Saleh am nächsten Sonntag in den Jemen zurückkehren werde.

Saleh wird in einem Militärkrankenhaus in der saudischen Hauptstadt Riyadh behandelt und hat nach eigenen Angaben bereits „acht erfolgreiche Operationen“ hinter sich. Bei dem Attentat erlitt er offenbar Brandwunden am ganzen Körper. Nach seinem jetzt offenbar gewordenen Zustand wird es noch viele Monate dauern, bis seine Gesundheit wieder hergestellt ist. Derweil rutscht seine Heimat immer weiter ab in Chaos und Bürgerkrieg. Die Wirtschaft steht vor dem Kollaps. Benzin und Diesel gibt es nur noch auf dem Schwarzmarkt, die Ernte auf den Feldern vertrocknet, weil die Bauern keinen Treibstoff mehr für ihre Wasserpumpen haben. Dem Land droht eine Hungersnot. Im Süden hat sich Al Qaida bereits in zwei Küstenprovinzen festgesetzt und bedroht nun die Hafenstadt Aden.

Bei dem Bombenanschlag in der Präsidentenmoschee während des Freitagsgebets am 3. Juni waren elf Menschen getötet und 124 teilweise schwer verletzt worden, darunter Ministerpräsident Ali Mohammad Mujawar, zwei seiner Vizepremiers sowie die Präsidenten beider Parlamentskammern. Nach einer ersten Auswertung von Tatortfotos gehen westliche Experten davon aus, dass die Bombe neben der Predigtkanzel in einer Wandnische deponiert worden war. Martin Gehlen

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