PORTRÄT ANDREAS BURO MITBEGRÜNDER OSTERMÄRSCHE: : „Drei Tage bei Kälte und Schnee“

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Foto: dpadpa

Ein runder Geburtstag steht an. Kommt deswegen an diesem Ostern bei der Friedensbewegung Feststimmung auf? Die Ostermärsche in Deutschland werden 50 Jahre alt – doch an ihre besten Zeiten, bei denen jährlich mehrere hunderttausend Teilnehmer gezählt wurden, werden die Initiativen bei den in diesem Jahr an 60 Orten geplanten Veranstaltungen wieder nicht herankommen.

Für den 81-jährigen Politikwissenschaftler Andreas Buro, ein Urgestein der Bewegung, schließt sich jetzt ein Kreis. Denn auch die Anfänge der aus Großbritannien in die alte Bundesrepublik geschwappten Ostermärsche waren recht bescheiden. Damals solche Protestaktionen zu veranstalten, das sei „alles andere als Zuckerschlecken“ gewesen, erinnert sich Buro. „Es herrschte die hohe Zeit des Kalten Krieges, die selbstverständlich auf allen Seiten verbunden war mit der drohenden Aussage: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich!“

Den Auftrieb schreibt er der SPD und Herbert Wehner zu – die Sozialdemokraten hatten auf ihrem Godesberger Parteitag 1959 ihre Aktion „Kampf dem Atomtod“ abrupt beendet und sich auf Adenauers Politik der Wiederbewaffnung Deutschlands eingelassen. Der erste Sternmarsch führte 1960 zum Raketenübungsplatz Bergen-Hohne in der Lüneburger Heide, „drei Tage bei Kälte und Schnee und vielen Anfeindungen“. Sektierer und idealistische Spinner seien noch die freundlichsten Bezeichnungen für die Demonstranten gewesen. Buro versteht sich als entschiedener Pazifist – mit 16 war er 1944 als Luftwaffenhelfer eingezogen worden, das hat ihn geprägt.

Als „Urmutter der neuen sozialen Bewegungen“ wertet Buro die Ostermärsche. Der Vietnamkrieg politisierte zunächst, der Einmarsch der Ostblockstaaten in die CSSR 1968 sorgte dann in der Kampagne für erregte Auseinandersetzungen. Nach dem Ende des Kalten Krieges ebbte das Interesse ab – 2010 will die Bewegung mit einem Appell zur Abschaffung von Atomwaffen und gegen den Afghanistaneinsatz mobilisieren.

Buros Bilanz von 50 Jahren ist differenziert: Die politischen Entscheidungen seien keinesfalls im Sinne der Demonstrierenden getroffen worden. Andererseits habe die Kampagne breite Diskussionen anstoßen können, den Boden für die gesellschaftliche Akzeptanz der Kriegsdienstverweigerung erweitert. Buro selbst erhielt für seine Forschungen zur zivilen Konfliktbearbeitung 2008 den Aachener Friedenspreis.Matthias Meisner

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