PORTRÄT ANDREAS SCHUSTER, BRANDENBURGS GDP-CHEF : "Nur die Kokarde gewechselt"

Andreas Schuster, Chef der Gewerkschaft der Polizei in Brandenburg, ist ein Mann des Angriffs. Meist geht es gegen die Sparpolitik von Landesinnenminister Jörg Schönbohm. Doch jetzt ist Schuster abgetaucht.

Peter Tiede
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Andreas Schuster -Foto: dpa-Zentralbild

Nach allem, was auf dem Tisch liegt, hat sich der Verdacht erhärtet, dass der 50-Jährige vor seiner West-Karriere als Gewerkschaftschef gleich zwei Ost-Karrieren hatte: Eine offizielle als Diplomökonom bei der Bezirksverwaltung der DDR-Volkspolizei in Cottbus. Und eine inoffizielle beim Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR.

Der Verdacht ist zumindest intern bei der Polizei, bei der Gewerkschaft und im Innenministerium nicht neu. Dass es für ihn Registrierungskarteikarten – die F 16 und F 22 – des MfS gab, war bekannt. Schuster wurde auch mindestens zweimal (1991 und 1995) überprüft. Nur: Um die Karteikarten und die darauf verzeichneten Veränderungen in der Rangstellung hat sich nie jemand gekümmert und Akten gab es auch keine.

Nun hat das RBB-Magazin „Klartext“ aufgedeckt, warum wohl keine Akten zu den Karteikarten des „GMS Andreas“ und später dann des „IM Werner“ existieren: Ein einstiger Führungsoffizier der Stasi, der nicht direkt vor die Kamera wollte, erzählte dem RBB, er selbst habe die Akte 1989 vernichtet, könne sich aber an Andreas Schuster erinnern. Dieser habe damals im Polizeibereich mit wichtigen Investitionen zu tun gehabt. Daher habe man ihn zunächst zum sogenannten Gesellschaftlichen Mitarbeiter Sicherheit (GMS) gemacht und später als IM angeheuert. Das sei so gut gelaufen, dass man Schuster noch am 11. Juli 1989 zum sogenannten FIM befördert habe – zu einem Führungs-IM.

Seit 1990 ist Schuster Gewerkschaftschef. Und als solcher saß er ausgerechnet in jener Kommission, die auf Beschluss des Landtags ab 1991 mehr als 10 000 Mitarbeiter im Bereich des Landesinnenministeriums auf eine Zusammenarbeit mit der Stasi hin überprüfte. Nach derzeitigem Kenntnisstand bestand etwa die Hälfte der Kommission selbst aus Stasi-IM. Schuster, so sagen es seine Gewerkschaftskollegen, habe Schönbohm nun um eine neue Prüfung seines Falls gebeten.

Dem „Spiegel“ sagte Schuster 1990, an der Uniform hätten die früheren Volkspolizisten bisher „nur die Kokarde gewechselt“. Unterm Tuch hapere es mit der „Umstellung in den Köpfen der Polizisten“. Er selbst hatte da offenbar schon umgestellt. Peter Tiede

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