PORTRÄT ANDREAS VOSSKUHLE STAATSRECHTLER: : "Ein großes Schiff steuert man nicht allein"

Das war ein kurzes Vergnügen für die Universität Freiburg. Vor drei Wochen fand dort die große Feierstunde statt, mit der Andreas Voßkuhle als neuer Rektor begrüßt wurde. Jetzt muss sich die Universität schon wieder einen Neuen suchen.

Ursula Knapp

Der Staatsrechtler soll heute im Bundesrat zum neuen Bundesverfassungsrichter und gleichzeitig zum Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe gewählt werden. Mit 44 Jahren wäre er der jüngste Vizepräsident, den es je in Karlsruhe gegeben hat. In zwei Jahren wird der aus Detmold stammende Jurist voraussichtlich sogar Präsident des höchsten deutschen Gerichts. Denn dann endet die Amtszeit von Hans-Jürgen Papier und traditionsgemäß rückt der Vizepräsident an die Spitze des Bundesverfassungsgerichts.

Voßkuhles Antrittsrede, die er in Freiburg hielt, ist noch druckfrisch. „Große Schiffe steuert man nicht allein“, sagte er am 1. April. Solchen Teamgeist wird er auch in Karlsruhe brauchen, wo er dem achtköpfigen Zweiten Senat vorsitzt. Denn die Präsidenten und Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts haben keine Vormachtstellung, sondern wie alle anderen Richterinnen und Richter nur eine Stimme. Zum anderen gilt der Zweite Senat als schwierig: Bei zurückliegenden Urteilen, wie dem zur Offenlegung der Nebeneinkünfte von Abgeordneten, war der Senat gespalten.

Den Westfalen zog es schon früh in den Süden der Republik. Sein Jurastudium absolvierte er in Bayreuth und München. Wissenschaftliches Aufsehen erregte er mit seiner von Peter Lerche betreuten Promotion über den „Rechtsschutz gegen Richter“. Für seine Habilitation erhielt er einen Förderpreis. Zeitweise arbeitete Voßkuhle auch für das bayerische Innenministerium. Seine Hochschulkarriere begann der Staatsrechtler 1998 in Freiburg. Mit nur 35 Jahren wurde er dort ordentlicher Professor, später Direktor des Instituts für Staatswissenschaft. Einen Ruf nach Hamburg lehnte der mit einer Richterin verheiratete Jurist 2004 ab.

Welche verfassungsrechtlichen Positionen Voßkuhle vertritt, ist bisher nicht öffentlich bekannt. Der Parteilose gilt als der SPD nahestehend. Zusammen mit dem ausgeschiedenen Bundesverfassungsrichter Wolfgang Hoffmann-Riem gibt er das Werk „Grundlagen des Verwaltungsrechts“ heraus. Daraus kann man den Rückschluss ziehen, dass Voßkuhle einen liberalen Staat befürwortet. Das gilt sowohl für die Bürgerrechte als auch für eine maßvolle wirtschaftliche Privatisierung.

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