• PORTRÄT ANGELIKA GRAMKOW LINKE OBERBÜRGERMEISTERIN:: „Die Schweriner hatten die Nase voll“

PORTRÄT ANGELIKA GRAMKOW LINKE OBERBÜRGERMEISTERIN: : „Die Schweriner hatten die Nase voll“

Andreas Frost

Mit einem Witz hat sie sich in der vergangenen Woche aus dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern verabschiedet. Ob Angelika Gramkow den auch in ihrem neuen Amt als erste Oberbürgermeisterin der Linken in einer deutschen Landeshauptstadt erzählen wird? „Im Sozialismus wurde angeblich erst verstaatlicht und dann ruiniert, im Kapitalismus ist es genau andersherum“, erklärte die Politikerin humorig den Unterschied zwischen beiden Gesellschaftssystemen.

Vom heutigen Montag an muss Gramkow dem Unterschied an neuer Wirkungsstätte auf ernsthaften Wegen nachspüren, wenn sie in Schwerin zur Stadtchefin ernannt wird. Zu einer roten Hochburg wird die Gastgeberstadt der Bundesgartenschau 2009 dadurch kaum werden. In der Stadtvertretung ist die „Linke“ hinter der CDU nur zweitstärkste Kraft; finanzielle Spielräume für „linke“ Politik gibt es in der hochverschuldeten Stadt kaum. Gramkows Ankündigung, ihr Amt „überparteilich“ führen zu wollen, ist deshalb kein hehres Versprechen, sondern schiere Notwendigkeit. Erfahrung dafür bringt sie mit: Sie selbst hat acht Jahre lang als Fraktionschefin die erste rot-rote Landesregierung mit gestaltet. Ihre Genossen im Stadtparlament arbeiten seit Jahren mit der CDU zusammen.

Nach der Abwahl von Oberbürgermeister Norbert Claussen (CDU) vor einem halben Jahr setzte sich Gramkow Ende September überraschend gegen den ehemaligen SPD-Innenminister Gottfried Timm mit 50,5 zu 49,5 Prozent der Stimmen durch. Claussen war nach dem Hungertod der fünfjährigen Lea-Sophie politisch unter die Räder gekommen, unter anderem weil eine Stadtvertretungsmehrheit das Jugendamt für den Tod mitverantwortlich machte.

Zwar strebt Gramkow nach den politischen Querelen des vergangenen Jahres ein neues Miteinander zwischen Stadtverwaltung, Stadtparlament und Schwerinern an. Weil die 50-Jährige früher in der SED und Sekretärin der FDJ war, war ihr Wahlsieg für so manchen allerdings schwer verdaulich. Die Schweriner hätten mit der Wahl der Sozialistin „völlig schmerzfrei“ ihr bundesweites Image verspielt, so ein Leserbrief-Schreiber der „Schweriner Volkszeitung“. Andere Diskutanten fragten verzweifelt, „wozu wir 1989 auf die Straße gegangen sind“, wenn jetzt „die ewig Gestrigen gewonnen haben“. „Da kommen einige Demokraten mit der Demokratie nicht zu recht“, konterten Gramkow-Sympathisanten. Andreas Frost

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