PORTRÄT ANKE ENGELKE FERNSEHMODERATORIN: : „Heißer Scheiß und coole Kunst“

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Wie schön, „Anke hat Zeit“. Anke, das ist Anke Engelke, und wofür sie Zeit hat, das ist die neue Kulturshow im WDR-Fernsehen. Nicht ganz neu, denn das Format gab es schon, da hieß es „Helge hat Zeit“, aber dann hatte Helge Schneider nach bereits zwei Ausgaben keine Lust mehr und verließ den Kölner Stadtgarten, wo diese Melange aus Labor, Wohnzimmer, Sit-in, Rummelplatz, Essen, Trinken, Musik produziert wurde und am 27. Juli wieder produziert wird.

Anke Engelke war bei Helge Schneider zu Gast gewesen. Sie weiß, was gefordert ist, sie weiß, was möglich ist: „Eine Sendung ohne Angst, dafür mit Bock auf Entdeckungen.“ Auch mit einer Sprache, die Klartext redet. Engelke will den Zuschauern eine Show bieten, „die mir auf der Suche nach guter Musik und heißem Scheiß und cooler Kunst behilflich ist“.

Die 47-jährige Kölnerin steht mit ihrer Fernsehbiografie für das Kluge, Abseitige und Inspirierende, das mit der künftigen Aufgabe verbunden wird. Wie sie die Galas bei der Berlinale oder beim Europäischen Filmpreis mit Verstand und Sachkenntnis und Sottisen moderierte, wie sich die im kanadischen Montreal Geborene dreisprachig durch den Europäischen Song Contest 2011 in Düsseldorf parlierte, das verband Intellekt, Intelligenz und Schlagfertigkeit.

Engelke ist sehr viel mehr als nur Moderatorin, sie ist eine Fernsehkünstlerin im Multi-Format. In ihrer Sat 1-Sketchreihe „Ladykracher“ kreierte und spielte sie die verschiedensten Frauentypen, mit ihrem Partner Bastian Pastewka gab sie als Volksmusikduo „Wolfgang und Anneliese“ das Genre zum Verlachen frei, sie synchronisierte die Fischdame „Findet Nemo“ oder die Mutter Marge in der TV-Serie „Die Simpsons“. Das Desaster mit der „Anke Late Night“, mit der Sat 1 2004 den unrühmlichen Abschied von Harald Schmidt kaschieren wollte, ist überwunden. Engelke weiß, was sie kann, und sie kann, was sie macht.

Anke Engelke, die eigentlich den Berufswunsch Lehrerin hatte, startete im Kinderfernsehen und ging 1986 dann zum Südwestrundfunk nach Baden-Baden. Dort moderierte sie bei SWF 3, damals die Radio-Avantgarde der intelligent-witzigen Popkultur. Deutschlandweit populär wurde sie durchs Fernsehen, bei der „Wochenshow“ als „Ricky auf dem Popsofa“. Das war komisch, sah nach Pippi Langstrumpf aus und war doch nur der Zwischenschritt von der Popkultur zur Kultur. Und da ist sie jetzt und da ist sie zu Hause. Joachim Huber

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