Porträt Annegret Kramp-Karrenbauer : "Frauen sind entspannter"

Mit Annegret Kramp-Karrenbauer will in dieser Woche eine eher unbekannte CDU-Politikerin die Nachfolge des saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller antreten.

Volker Hildisch
Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU)
Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU)Foto: dpa

Falls Annegret Kramp-Karrenbauer tatsächlich gewählt wird, würde sie nach Hannelore Kraft in NRW und Christine Lieberknecht in Thüringen zur dritten Ministerpräsidentin in Deutschland.

„Annegret Wer?“ – so dürfte zumindest außerhalb des Saarlandes die erste Frage lauten. Nach den Alpha-Tieren Lafontaine und Müller übernimmt eine relativ unbekannte Politikerin das Spitzenamt. Die 49-jährige Mutter von drei Kindern hat Familie und Karriere unter einen Hut gekriegt und sich bei der Nachfolge von Peter Müller gegen die Konkurrenz durchgesetzt.

Bereits mit 18 Jahren ist die Saarländerin in die CDU eingetreten, seit 1999 sitzt sie im Landtag, seit 2000 hat sie im Saarland verschiedene Ministerämter inne, zurzeit das Ressort für Arbeit, Familie, Soziales, Prävention und Sport. („Ich hätte nie gedacht, dass es einen Ministertitel gibt, der länger ist als mein Name.“) Zudem ist sie Landesvorsitzende. Eine Frau, die alles kann? Müller jedenfalls hält große Stücke auf „AKK“: „Es gibt keine Aufgabe, die man Annegret nicht anvertrauen kann.“ FDP und Grüne loben ihre Verlässlichkeit, in der SPD gilt sie eher als unverbindlich, aber die Bürger haben sie im Januar zur beliebtesten Politikerin im Saarland gewählt.

In der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner kann die Politikwissenschaftlerin durch Sachverstand punkten, auch wenn sie keine so brillante Rednerin wie ihr Vorgänger ist. Im persönlichen Umgang wirkt sie freundlich, Mitarbeiter loben den unaufgeregten Führungsstil. Inhaltlich muss man die stellvertretende Vorsitzende der CDU-Frauen-Union eher den Modernisierern zuordnen. Sie befürwortet die Frauenquote, hält Schwarz-Grün für kein Hirngespinst und mag das Machtgehabe männlicher Politikerkollegen nicht. Ihre Erfahrung: „Frauen gehen entspannter miteinander um.“

Doch als Ministerpräsidentin werden noch einige andere Aufgaben auf sie warten. Das Jamaika-Bündnis ist knapp zwei Jahre alt und bisher ohne große Probleme ausgekommen. Die nächsten drei, auf die kommende Wahl ausgerichteten Jahre dürften schwieriger werden, zumal unter dem Zwang ständiger Einsparungen. Das erfordert nicht nur Moderatorenfähigkeiten zu Hause, sondern auch Verhandlungsgeschick mit Bund und Ländern. Volker Hildisch

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